Rasenpflege & Wissen

Wie und wann der Rasen wieder grün wird

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Was tun und wie umgehen mit dürregeschundenen Rasenflächen? Wer sich derzeit in Parks und Gärten aufhält und auf die Rasenflächen schaut, der findet vielfach nur gelblich-braune Flächen mit stark eingetrockneten Grashorsten vor. Besonders unbewässerte Flächen auf schwachem Untergrund sind betroffen. Beim tristen Anblick dieser versteppten Flächen fragen sich viele: Ist der Rasen noch zu retten? Wir suchen nach Antworten.

Braun, aber nicht tot: Wie Rasen die Sommerdürre übersteht

Versteppte Rasenflächen sehen nicht nur unschön aus, sie haben in vielen Fällen auch ihre Funktion als Repräsentationsgrün, als Sport- und Spiel-, Freizeit und Erholungsfläche verloren. Wer möchte sein Liegetuch schon auf buckelig-piecksig anmutenden, verbräunten Grashorsten ausbreiten? 

Doch was trist, staubig und abgestorben aussieht, lebt in vielen Fällen unterirdisch weiter. Viele Grasarten, die in gezüchtet-veredelter Form in Rasen zum Einsatz kommen, haben ihren Ursprung in den weiten Steppengebieten Zentralasiens. Dort waren die Sommermonate von jeher trocken und heiß. Um in diesen Regionen erfolgreich überleben zu können, brauchte es Anpassungsmechanismen für die Gräser. Das sommerliche Eintrocknen und oberirdische „Braun-Fallen“, die sog. Sommerdormanz, war und ist wesentlicher Bestandteil dieser Überlebensstrategie. 

 

Sobald wieder ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung steht, setzen Stoffwechselprozesse ein, die Wachstum wieder ermöglichen. So kommt es dann zum Neuaustrieb der Gräser und zum Wiederergrünen ganzer Grasbestände und Rasenflächen. Dies geschieht gerade jetzt. Zu Beginn der Woche haben die lange ersehnten Niederschläge wieder eingesetzt. Die folgende Abbildung zeigt die bis zum 19.08. im Monat August zusammengekommenen Niederschlagsmengen in Deutschland:

Abbildung 01: Nachdem es zwischen Mitte Juni und Mitte August in weiten Teilen von Deutschland wenig bis nahezu überhaupt nicht geregnet hatte, haben flächigere Niederschläge erst ab dem 16.08.2026 wieder eingesetzt und nun in den meisten Regionen zumindest zwischen 8 und 30 l Niederschlag pro Quadratmeter gebracht. Lediglich am Alpenrand sowie in Teilen von Sachsen waren es mit bis zu 60 l höhere Mengen. Im deutschlandweiten Mittel beläuft sich das Niederschlagsdefizit 2026 bislang auf rund 100 l pro Quadratmeter. Besonders drastisch fiel der Monat Juli aus: In einem durchschnittlichen Juli fallen in Deutschland fast 90 l Niederschlag pro Quadratmeter, in diesem Jahr waren es im Schnitt kaum über 40 l.


Aufatmen nach der Dürre – Wirkung der bisher gefallenen Niederschlagsmengen

Wie die nun in der zweiten Augusthälfte gefallenen Niederschläge zu wirken beginnen, zeigen die folgenden beiden Abbildungen. Ein deutlicher Farbumschlag von Abbildung 02 – fast alles braun – zu Abbildung 03 – erste Regionen wieder im gelb-grünlichen Bereich – ist zu erkennen. Dieser Farbumschlag markiert, dass die nutzbare Feldkapazität durch die Niederschläge schon wieder etwas besser von den Gräsern ausgeschöpft werden kann (Quelle: DWD Bodenfeuchteviewer 2026).

 

Nach der Dürre – vor der Nachsaat?

Dort wo Niederschläge die akute Dürre schon lindern konnten, ist der Moment gekommen, in dem Sie nun wieder aktiv werden können, um Ihrem Rasen dabei zu helfen, sich besser und schneller wieder zu regenerieren. Wenn Sie nichts machen und abwarten, dann wird Ihr Rasen über einen Zeitraum von 7 bis 14 Tagen auch wieder grün, aber er wird irgendwie wieder grün und der Anteil erwünschter Rasengräser geht zurück, der Anteil unerwünschter Gräser und Kräuter zumeist hoch. Und dass grün nicht gleich grün ist, das wissen Sie spätestens, wenn Sie sich das folgende Bild anschauen.

Ungräser, wie die Jährige Rispe (Poa annua) oder die Gemeine Rispe (Poa trivialis) fallen im Rasen neben ihren rasch sichtbaren Blütenständen zumeist auch durch ihre stets helle Grünfärbung auf, wohingegen die allermeisten gezüchteten Rasengrassorten eine mittelgrüne oder sogar eine dunkelgrüne Farbgebung aufweisen. Je dunkler die Grünfärbung der Sorte, umso schneller und stärker fallen Ungräser ins Auge.


Anleitung zur Reparatur und Erneuerung Ihres dürregeschädigten Rasens

Wenn Sie die Zeit des beginnenden Spätsommers nun also nutzen wollen, um Ihrem dürregeschädigten Rasen etwas Gutes zu tun, dann gehen Sie am besten wie folgt vor: Entfernen Sie zunächst abgestorbenes und verbräuntes Pflanzenmaterial durch einen tiefen Rasenschnitt von der Fläche. Wichtig ist, dass Sie dieses Schnittgut dann wirklich über die Biotonne oder ein gutes Kompostiersystem beseitigen. Dadurch entsteht Platz für die spätere Nachsaat und die verbliebene Grasnarbe kann besser bearbeitet werden.

Anschließend wird die Fläche längs und quer intensiv vertikutiert. Abgestorbenes Material und Rasenfilz ist wiederrum zu entfernen. Der Vertikutierer öffnet und lüftet die Altnarbe. Dadurch kann das Saatgut bei der anschließenden Nachsaat leichter Kontakt zum Boden aufnehmen. Dies ist für eine erfolgreiche Keimung und Primärwurzelbildung wichtig.

Für klassische Nachsaaten eignen sich insbesondere Mischungen mit diploiden Rasensorten des Deutschen Weidelgrases (Lolium perenne). Die Art etabliert sich vergleichsweise schnell und wird deshalb häufig in Nachsaatmischungen eingesetzt. Mit der Greenfield Nachsaat-Mantelsaat® oder der LorettaRasen-Reparatur stehen Ihnen beispielsweise ausschließlich aus verschiedenen, hochwertigen Sorten des Deutschen Weidelgrases bestehende Mischung zur Verfügung, die speziell zum Schließen von Lücken und zur Verjüngung vorhandener Rasenflächen vorgesehen sind.

Nach der Aussaat sollte die Fläche kurz angewässert werden. Dies verbessert den Kontakt zwischen Saatgut und Boden und verhindert, dass die vergleichsweise leichten Samen vom Winde verweht werden. Bis zur Keimung muss die Nachsaat ausreichend feucht gehalten werden. Bleiben natürliche Niederschläge aus, ist daher eine ergänzende Bewässerung erforderlich. Vergessen Sie nicht, bei den sich anschließenden Schnittmaßnahmen die Schnitthöhe auf 3 bis 4 cm zu erhöhen, auch vor dem Hintergrund des nahenden Herbstes. Eine kaliumbetonte Herbstdüngung bis Anfang Oktober sollte ebenfalls nicht fehlen.


Muss es immer ein intensiv gepflegter, sattgrüner Rasen sein?

Die Regeneration einer dürregeschädigten Fläche bietet gleichzeitig die Gelegenheit, über deren zukünftige Nutzung nachzudenken. Ein dichter, kurz geschnittener und ganzjährig grüner Rasen ist attraktiv, benötigt jedoch entsprechende Pflege. Besonders in zunehmend trockenen Sommern stellt die Wasserversorgung einen entscheidenden Faktor dar.

Damit ergibt sich eine grundsätzliche Frage: Muss die gesamte vorhandene Rasenfläche dauerhaft intensiv gepflegt werden?

Je nach Nutzung kann eine extensivere Gestaltung eine Alternative darstellen. Solche Flächen müssen keineswegs ungepflegt oder vollständig der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Durch die gezielte Auswahl geeigneter Saatgutmischungen lässt sich ein widerstandsfähiger Bestand aufbauen, der mit einem geringeren Pflegeaufwand auskommt und gleichzeitig einen anderen ökologischen Wert besitzt.

 

 

Der Mehrzonenrasen als Kompromiss?

Zwischen intensiv gepflegtem Rasen und extensiver Grünfläche muss allerdings keine entweder-oder-Entscheidung getroffen werden. Besonders bei größeren Grundstücken bietet sich ein sogenannter Mehrzonenrasen an.

Dabei wird die Fläche entsprechend ihrer tatsächlichen Nutzung gegliedert. Ein kleinerer Bereich unmittelbar an der Terrasse oder am Haus kann weiterhin intensiv gepflegt werden. Dort, wo Liegestühle stehen, Kinder spielen oder eine gleichmäßige Rasenoptik gewünscht wird, kann ein klassischer Gebrauchs- oder Zierrasen angelegt werden.

Für repräsentative Bereiche bietet sich beispielsweise das Produkt Greenfield 110 Zierrasen an. Soll der Kernbereich stärker beansprucht werden, etwa als Spiel- und Liegefläche, stellt Greenfield 230 Gebrauchsrasen – Spielrasen eine robustere Alternative dar.

Daran kann sich ein größerer Bereich anschließen, der weniger intensiv genutzt und entsprechend extensiver gepflegt wird. Dieser darf höher aufwachsen und benötigt weniger häufige Pflegemaßnahmen.

Welche Mischung passt zu welchem Charakter?

Welche Saatgutmischung sich für die extensiveren Bereiche eignet, hängt davon ab, wie die Fläche später aussehen und genutzt werden soll.

Wer sich weiterhin einen deutlich rasenartigen Charakter wünscht, diesen jedoch mit Kräutern und Blüten kombinieren möchte, kann beispielsweise auf Greenfield 240 Gebrauchsrasen – Kräuterrasen zurückgreifen. Niedrigwachsende Kräuter und Wiesenblumen ergänzen hier die Rasengräser. Mit etwa vier bis acht Schnitten pro Jahr liegt der Pflegebedarf deutlich unter dem eines intensiv gepflegten Rasens.

Auf besonders trockenen und wenig beanspruchten Flächen kann dagegen Greenfield 722 Landschaftsrasen – Trockenlagen mit Kräutern eine Alternative darstellen. Die Mischung wurde für extensive Flächen in Trockenlagen konzipiert und verbindet geeignete Gräser mit Kräutern und Kleearten. Mit nur wenigen erforderlichen Schnitten pro Jahr eignet sie sich insbesondere für Bereiche, bei denen ein geringer Pflegeaufwand im Vordergrund steht.

Soll der äußere Bereich dagegen bewusst bunt und blütenreich gestaltet werden, bietet sich die Greenfield Blumenwiese an. Die mehrjährige Mischung kombiniert Gräser mit einer Vielzahl verschiedener Blumen- und Kräuterarten. Neben dem optischen Aspekt entsteht dadurch gleichzeitig ein zusätzliches Nahrungsangebot für beispielsweise Bienen und Schmetterlinge.

Auf diese Weise kann eine größere Gartenfläche schrittweise aufgebaut werden: vom intensiv gepflegten und tatsächlich genutzten Kernbereich über einen extensiveren Kräuter- oder Landschaftsrasen bis hin zu einer blütenreichen Außenzone. Die einzelnen Bereiche unterscheiden sich in Optik, Nutzung und Pflegeintensität, ergeben zusammen jedoch ein abgestimmtes Gesamtkonzept.


Rasen neu denken

Ein ganzjährig dichter und sattgrüner Rasen bleibt optisch eine Augenweide. Unter den Bedingungen des Klimawandels mit zunehmend trockenen Sommern steigt jedoch der Aufwand, insbesondere der Bewässerungsaufwand, der erforderlich ist, um diesen Zustand auf der gesamten Fläche zu erhalten. Insbesondere der zusätzliche Wasserbedarf während längerer Dürreperioden sollte dabei berücksichtigt werden. Es stellt sich daher auch die Frage, wie sinnvoll es ist, große Rasenflächen während ausgeprägter Trockenperioden ausschließlich für den Erhalt eines gleichmäßig grünen Erscheinungsbildes intensiv zu bewässern.

Dürreschäden können deshalb mehr sein als nur ein Anlass zur Reparatur der vorhandenen Grasnarbe. Sie bieten die Möglichkeit, Nutzung und Gestaltung einer Fläche grundsätzlich zu überdenken. Wo ein intensiv gepflegter Rasen tatsächlich genutzt und gewünscht wird, kann dieser gezielt erhalten und bei Bedarf nachgesät werden. Weniger beanspruchte Bereiche können dagegen mit geeigneten Landschafts-, Kräuter- oder Blühmischungen extensiver gestaltet werden.

Der Übergang zum Naturrasen bedeutet dabei keineswegs den Übergang in die Wildnis oder zu einer ungepflegten, braunen Fläche. Mit einer standortgerechten Saatgutmischung und einer angepassten Pflege kann eine attraktive und widerstandsfähige Grünfläche entstehen, die geringere Ansprüche stellt und gleichzeitig einen zusätzlichen Nutzen für die Insektenwelt bietet.

Vielleicht lautet die entscheidende Frage nach dem nächsten trockenen Sommer deshalb nicht nur: Wie wird der Rasen wieder grün? Sondern auch: Wie soll unser Rasen zukünftig aussehen?