Trockenheit - Grünland richtig pflegen
Nicht jede braune Fläche ist unwiederbringlich verloren. Wir zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie verdorrten und dürregeschädigten Grünlandflächen wieder neues Leben einhauchen. Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt vom Zustand der Narbe, dem Lückenanteil, der aktuellen Bodenfeuchte und dem gewählten Timing ab.
NACH DER DÜRRE KOMMT DER REGEN: RICHTIG REAGIEREN FÜR EIN SATTES GRÜNLAND

Die zunehmende Häufigkeit extremer Wetter- und Klimaereignisse wie Hitze, Dürre, Sturm oder Dauerregen stellt landwirtschaftliche Betriebe vor große Herausforderungen. Dies zeigt sich auch derzeit sehr deutlich. Nach einem überwiegend trockenen Winter 2025/26 und einem mild-trockenen Frühjahr 2026 stehen wir nun in einem von Hitze und Dürre geprägten Sommer mit hohen Temperaturen und vielerorts ausbleibenden Niederschlägen.
Die Folgen sind nicht nur für Landwirte sicht- und im Futtertrog spürbar, sondern werden zunehmend auch außerhalb der Landwirtschaft wahrgenommen. Niedrige Wasserstände und ausgetrocknete Böden gehen vielerorts mit deutlich geschädigten Grünlandbeständen einher. Wo im Frühjahr noch dichte und ertragreiche Bestände standen, dominieren inzwischen häufig braune und gelbe Farbtöne. Besonders auf leichten Standorten, flachgründigen Böden und Flächen mit geringer Wasserspeicherfähigkeit können Gräser stark unter Trockenstress geraten oder sogar oberirdisch vollständig absterben.
Dennoch gilt: Nicht jede braune Fläche ist dauerhaft verloren. Verschiedene Grünlandgräser darunter Dt. Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenlieschgras (Phleum pratense), Wiesen- (Festuca pratensis), Rohr- (Festuca arrundinacea) und Rotschwingel (Festuca rubra), können Trockenperioden überstehen und bei wieder ausreichender Bodenfeuchtigkeit erneut austreiben. Deshalb sollte nach den ersten Niederschlägen zunächst beobachtet werden, ob und wie gut sich der vorhandene Bestand regeneriert. Dies wird zumeist wenige Tage nach einem Niederschlagsereignis deutlich. Erst dann lässt sich zuverlässig beurteilen, welche Maßnahmen zur Reparatur und Pflege der geschundenen Narbe sinnvoll einzusetzen sind.
Während der Dürre: Ruhe bewahren und ggf. Unkräutern gezielt zu Leibe rücken
Solange die Trockenheit anhält und keine ausreichende Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist, sind die Möglichkeiten zur aktiven Bestandsverbesserung tatsächlich begrenzt. Punktuell kann es sinnvoll sein über eine Unkrautregulation nachzudenken. Besonders die häufig sehr trockenresistenten unerwünschten Arten im Grünland wie Jakobs-Kreuzkraut (Jacobaea vulgaris) oder die typischen Ampfer-Arten (Rumex ssp.) im Grünland können zwischen abgestorbenen Grashorsten sehr gut identifiziert und mechanisch und/ oder chemisch bekämpft werden. Nachsaaten sind unter Bedingungen andauernder Dürre mit einem hohen Ausfallrisiko verbunden, da dem Saatgut das für die Keimung und Jugendentwicklung notwendige Wasser fehlt. Umso wichtiger ist es, bereits im Frühjahr die Voraussetzungen für einen widerstands- und leistungsfähigen Grünlandbestand zu schaffen. Durch gezielte Bodenbearbeitung z. B. Walzen, Schleppen und/ oder Striegeln lassen sich im Frühjahr Bodenunebenheiten wie u. a. Maulwurfshügel ausgleichen und der Unkraut- und Ungrasdruck wirksam reduzieren. Ziel ist eine möglichst dichte und leistungsfähige Narbe, die gut vorbereitet in mögliche Trockenperioden geht.
Auch intensive mechanische Eingriffe sollten während ausgeprägter Trockenperioden kritisch hinterfragt werden. Denn: Solange die Trockenheit anhält, ist dies wenig sinnvoll und könnte den Bestand zusätzlich schädigen und den Bodendeckungsgrad unnötig vermindern. Innerhalb der Dürre helfen auch abgestorbene Triebe und Blätter den Grünlandboden vor noch weiterer Austrocknung, Erhitzung, Degradation und Verkrustung zu schützen. Ziel sollte es sein, den ohnehin gestressten Bestand nicht zusätzlich zu belasten. Restaufwüchse sollten daher möglichst noch auf der Fläche verbleiben. Entscheidend ist daher häufig nicht möglichst schnell zu handeln, sondern den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Erst wenn wieder ausreichend Feuchtigkeit nach dem Einsetzen von Niederschlägen (> 10 bis 15 mm) im Boden vorhanden ist und günstigere, kühlere Temperaturen herrschen, ergeben sich bessere Voraussetzungen für Maßnahmen zur Bestandsverbesserung.
Der richtige Zeitpunkt für die Grünlandverbesserung

Frühe Frühjahrstrockenheit oder mangelnde Befahrbarkeit nach sehr nassen Wintermonaten und das zunehmende Risiko für Sommerdürren können die klassische Nachsaat im Frühjahr erschweren. Der Spätsommer oder Frühherbst bietet häufig bessere Bedingungen: Kühlere Temperaturen, ausreichende Niederschläge und ein geringerer Konkurrenzdruck der alten Grasnarbe schaffen gute Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Gräser.
Je nach Zustand der Fläche kann zunächst ein Striegelgang sinnvoll sein. Dabei werden abgestorbenes Pflanzenmaterial, Verfilzungen und unerwünschte Bestandsanteile entfernt. Gleichzeitig wird die Bodenoberfläche leicht geöffnet. Bei hohem Ungrasdruck, beispielsweise durch Gemeine Rispe (Poa trivialis) oder Einjähriges Rispengras (Poa annua), können die Pflanzen durch einen scharf eingestellten Grünlandstriegel aus der Narbe herausgekämmt werden.
Vor der Saat kann die vorhandene Grasnarbe auf etwa 3-5 cm Wuchshöhe abgeschnitten werden, damit der Altbestand die jungen Pflanzen möglichst wenig beschattet. Wichtig ist außerdem ein guter Bodenschluss des Saatguts, der bei Bedarf durch Walzen verbessert werden kann.
Sobald der neue Bestand etwa 15 cm Wuchshöhe erreicht, kann ein früher Schröpfschnitt dazu beitragen, samenbürtige Unkräuter zurückzudrängen und die gewünschten neuen Graspflanzen in ihrer Bestockung zu fördern. Auch die ersten folgenden Schnitte sollten relativ früh erfolgen, um den jungen Pflanzen ausreichend Licht zu geben und die Bestockung zu fördern. Eine hohe Bestockung ist Grundlage für eine später hohe Narbendichte des Bestands.
Um das Risiko von Wetterextremen zu verringern, kann außerdem eine Aufteilung der Nachsaat sinnvoll sein: beispielsweise eine Teilmenge im Frühjahr und eine weitere im Spätsommer. Sie verbrauchen dadurch insgesamt nicht mehr Saatgut, Sie teilen sich Ihre Nachsaatmenge nur gezielter ein.
Das passende Nachsaatverfahren wählen
Welche Technik eingesetzt wird, richtet sich vor allem nach dem Zustand der Grasnarbe und dem Umfang der entstandenen Schäden.
Als Orientierung gilt: Bei noch guten Beständen mit mehr als 50 % wertvollen Gräsern und weniger als 20 % Narbenlücken kann eine Übersaat ausreichen. Bei stärkeren Schäden mit mehr als 20 % Narbenlücken oder mehr als 20 % Unkräutern und Ungräsern ist eine Durchsaat meist erfolgversprechender. Unter passenden Bedingungen können dabei Feldaufgänge von 60–70 % erreicht werden.
Zur Einschätzung der Lückigkeit kann beispielsweise der Göttinger Zähl- und Schätzrahmen herangezogen werden. Faustzahl hierbei ist immer: Eine Handfläche fehlende Grasnarbe entspricht rund 15 % Lücke. Die tatsächlich erforderliche Saatgutmenge bzw. passende Mischung richtet sich jedoch immer nach der Nutzung, dem Anteil offener Bodenflächen und damit nach dem Ausmaß der tatsächlichen Narbenschäden.
Als besonders wirksame Methode gilt die Schlitzsaat mit einer Säschlitzmaschine, beispielsweise von der Firma Vredo. Dabei wird das Saatgut direkt in schmale Schlitze abgelegt und erhält einen guten Bodenschluss. Für weniger stark geschädigte Bestände eignen sich auch Grünlandstriegel mit integrierter Nachsaateinrichtung. Sie verbinden Narbenpflege und Saat in einem Arbeitsgang.
Daneben sind verschiedene Streusaatverfahren möglich, etwa mit pneumatischer Sätechnik, Kleinkornstreuer oder pneumatischem Düngerstreuer. Auch Drohnentechnik wird zunehmend eingesetzt. Entscheidend für den Erfolg sind ein ausreichender Bodenschluss des Saatguts und ausreichend Wasser während der Keimphase.
Nachsaatoption – die drei Stufen des MehrGras und ProGreen®
STUFE 1 – Standardmaßnahme: normale Nachsaat
Bei normalen Bestandslücken bieten sich Nachsaatmischungen mit einem hohen Anteil an Deutschem Weidelgras (Lolium perenne) an. Deutsches Weidelgras zeichnet sich durch eine schnelle Etablierung und hohe Konkurrenzkraft aus und spielt deshalb bei der klassischen Grünlandnachsaat eine wichtige Rolle. Die entsprechenden MehrGras-Nachsaatmischungen liegen überwiegend bei einer Aussaatstärke von 20 kg/ha und sind teilweise mit Weißklee (Trifolium repens) ergänzt.
Einige Varianten sind zudem als Mantelsaat® erhältlich. Dabei wird das Saatgut mit pflanzenstärkenden und für die Keimung wichtigen Substanzen umhüllt, um auch unter schwierigen Bedingungen einen besseren Feldaufgang zu erreichen.
STUFE 2 – Chance nutzen: stärker geschädigtes Grünland
Bei größeren Narbenlücken besteht die Möglichkeit, neben der reinen Reparatur des Bestandes auch dessen Artenzusammensetzung gezielt weiterzuentwickeln, dazu bieten sich weitere Grasarten wie Wiesenschwingel, Wiesenlieschgras sowie Rot- (Trifolium pratense) und Weißklee an. Im Spätsommer haben auch langsam wachsende Arten bessere Chancen, da die Konkurrenz durch die alte Grasnarbe geringer ist. Bei stark geschädigten Flächen kann der Übergang von der Nachsaat zur Neuansaat fließend sein. Zudem wird das Arteninventar mit standortangepassten Weidekomponenten ergänzt.
STUFE 3 – Visionen: Grünland mit trockentoleranten Arten zukunftsfähig machen
Auf trockenen und sommertrockenen Standorten kann die Nachsaat außerdem genutzt werden, um das Arteninventar langfristig an veränderte Standort- und Klimabedingungen anzupassen.
Hier kommen beispielsweise trockenheitstolerantere Gräser wie Rohrschwingel (Festuca arundinacea) und Knaulgras (Dactylis glomerata) infrage. Ergänzend können Futterleguminosen und Kräuter eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Weißklee, Luzerne (Medicago sativa), Hornklee (Lotus corniculatus), Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und Futterchicorée (Cichorium intybus).
Durch solche Mischungen lässt sich das Arteninventar gezielt um biodiverse Gräser, Kräuter und Leguminosen erweitern, die auf trockeneren Standorten zusätzliche erwünschte Eigenschaften – wie eine verbesserte Schmackhaftigkeit für Weidetiere – in den Bestand einbringen können.
Fazit
Die Sommerdürre 2026 hat das Grünland in Westeuropa vielerorts massiv geschädigt. Solange die Trockenheit anhält, stehen den Betrieben jedoch nur wenige wirksame Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Vorrangig gilt es derzeit, vorhandene Bestände möglichst zu schonen und weitere Stressbelastungen zu vermeiden. Hier ist schnelles Handeln nicht automatisch die beste Lösung. Eine braune Grasnarbe muss nicht zwangsläufig abgestorben sein. Deshalb sollte zunächst abgewartet werden, wie sich der Bestand nach ausreichenden Niederschlägen entwickelt.
Mit dem Einsetzen herbstlicher Niederschläge eröffnet sich jedoch ein wichtiges Zeitfenster für die Revitalisierung geschädigter Flächen. Wichtig ist hierbei die passende Nachsaattechnik, eine standortgerechte Saatgutmischung und ausreichend Wasser für Keimung und Jugendentwicklung.
Gerade nach Trockenjahren bietet die Nachsaat damit nicht nur die Möglichkeit, entstandene Lücken zu schließen. Sie kann auch gezielt genutzt werden, um Grünlandbestände langfristig vielfältiger und besser an trockene Standortbedingungen anzupassen.
