Zwischenfruchtmischungen
Zwischenfrüchte

Richtige Wahl der Zwischenfrucht

Landwirtschaftliches Feld mit einer Auswahl an Zwischenfrüchten und dem Text: Richtige Wahl der Zwischenfrucht

Zwischenfrüchte richtig wählen: Mischungen für den Herbst

Zwischenfruchtmischungen: Die richtige Wahl nach der Ernte

Die Ernte ist eingebracht, die Stoppelfelder liegen frei – und für Sie als Landwirtin oder Landwirt stellt sich jetzt eine der wichtigsten Weichenstellungen des Herbstes: Welche Zwischenfrucht passt zu Ihrem Standort, Ihrer Fruchtfolge und Ihren Zielen?

Wir von Freudenberger sehen in der Beratungspraxis jedes Jahr aufs Neue, wie unterschiedlich die Anforderungen sind. Geht es vorrangig um Bodenstruktur und Durchwurzelung, empfehlen sich tief wurzelnde Komponenten wie Ölrettich oder Meliorationsrettich. Steht die Stickstoffbindung im Vordergrund, sind Leguminosenanteile – etwa Winterwicke oder Alexandrinerklee – unverzichtbar. Wer die Zwischenfrucht zusätzlich als Weide- oder Schnittfutter nutzen möchte, sollte auf ausgewogene Mischungen mit hohem Futterwert setzen, etwa Kombinationen aus Kleearten, Phacelia und Getreidekomponenten.

Warum die Zwischenfrucht mehr als eine „Pflichtübung" ist

Zwischenfrüchte übernehmen in einer modernen Fruchtfolge mehrere Funktionen gleichzeitig, und genau darin liegt die Herausforderung bei der Mischungswahl: Eine einzelne Art kann selten alle gewünschten Effekte gleichermaßen erfüllen. Zu den zentralen Funktionen zählen:

  • Bodenstruktur und Durchwurzelung: Tiefwurzelnde Arten wie Ölrettich, Meliorationsrettich oder Luzerne durchbrechen Verdichtungshorizonte und schaffen Grobporen, die der Folgekultur im Frühjahr zugutekommen.
  • Erosionsschutz: Eine schnelle, flächendeckende Bodenbedeckung schützt vor Wind- und Wassererosion – ein Aspekt, der auf Hangflächen und in erosionsgefährdeten Lagen besonders schwer wiegt.
  • Humusaufbau: Über den Zeitraum mehrerer Jahre trägt eine konsequente Zwischenfruchtnutzung messbar zum Erhalt und Aufbau der organischen Substanz bei.
  • Unkrautunterdrückung: Dicht wachsende, konkurrenzstarke Mischungen reduzieren den Beikrautdruck vor der Folgekultur und können den Herbizideinsatz im Frühjahr verringern.
  • Stickstoffbindung und -konservierung: Leguminosen binden Luftstickstoff, nicht-legume Arten wie Senf oder Ölrettich nehmen den nach der Ernte im Boden verbliebenen mineralischen Stickstoff auf und verhindern dessen Auswaschung über den Winter.
  • Förderung der Bodenbiologie: Eine vielfältige Durchwurzelung unterschiedlicher Arten begünstigt ein breiteres Spektrum an Bodenmikroorganismen und Mykorrhizapilzen.
 

Mischungsstrategie statt Einzelart

Aus diesem Grund setzt sich in der Praxis zunehmend der Trend zu artenreichen Mischungen mit sechs, acht oder mehr Komponenten durch. Der Gedanke dahinter: Je unterschiedlicher die Ansprüche und Wuchsformen der Mischungspartner, desto robuster reagiert der Bestand auf wechselnde Witterungsbedingungen – schließlich lässt sich zum Zeitpunkt der Aussaat im Spätsommer kaum vorhersagen, ob ein feuchter oder ein trockener Herbst folgt.

Bei der Zusammenstellung einer Mischung empfiehlt es sich, in funktionalen Gruppen zu denken:

FunktionsgruppeBeispielartenHauptnutzen
KreuzblütlerÖlrettich, Senf, RübsenTiefwurzelung, schnelle Bodenbedeckung
LeguminosenWinterwicke, Alexandrinerklee, PerserkleeStickstoffbindung
Hackfruchtartige/sonstigePhacelia, Buchweizen, RamtillkrautBienenweide, Beikrautunterdrückung
Gräser/GetreideSommerhafer, SudangrasStrukturstabilität, Futterwert
 

Worauf Sie bei der Auswahl 2026 besonders achten sollten

  • Fruchtfolgeverträglichkeit: Der Anteil an Kreuzblütlern in der Mischung sollte in engen Raps-Fruchtfolgen begrenzt bleiben, um das Risiko von Kohlhernie und einer Vermehrung von Nematoden nicht unnötig zu erhöhen. Bei Zuckerrüben in der Fruchtfolge ist auf nematodenresistente bzw. -tolerante Ölrettich- und Senfsorten zu achten.
  • Sortenreinheit und Zulassung: Prüfen Sie, ob die eingesetzte Mischung den aktuellen Vorgaben Ihres Bundeslandes entspricht
  • Frostempfindlichkeit vs. Winterhärte: Je nach Folgekultur und geplantem Bearbeitungstermin im Frühjahr entscheidet sich, ob eine abfrierende Mischung (z. B. für frühe Frühjahrsbestellung) oder eine winterharte Mischung (z. B. bei späterer Bodenbearbeitung oder Beweidung) sinnvoller ist.
  • Saatstärke und Saattiefe: Mischungen mit sehr unterschiedlichen Korngrößen erfordern eine sorgfältige Kalibrierung der Sätechnik, damit alle Komponenten gleichmäßig zur Ablage kommen.
 

Unser Fazit

Eine gut durchdachte Zwischenfruchtmischung ist eine Investition in die Bodenfruchtbarkeit Ihres Betriebs – mit Wirkung weit über die eigentliche Anbausaison hinaus. Eine „Universalmischung von der Stange" erfüllt selten alle Ansprüche gleichzeitig. Wir beraten und unterstützen Sie gerne dabei, die Mischung individuell auf Ihre Fruchtfolge, Ihren Bodentyp und Ihre Nutzungsziele abzustimmen.