Gräser & Leguminosen

Im Portrait: Rotschwingel

Rotschwingel__2_.png

Rotschwingel

Festuca rubra

Andere Namen: Gewöhnlicher Rot-Schwingel

Familie: Süßgräser (Poaceae)Tausendkorngewicht: ca.1-1,5 g
Gattung: Schwingel (Festuca)      Wuchshöhe: 15-120 cm
Art: RotschwingelAussaatstärke: 25 kg/ha
 Chromosomenzahl: diploid 2n = 42

Beschreibung

Rotschwingel gehört zur Familie der Süßgräser, welche sich in rund 780 weitere Gattungen unterteilen lässt. Der Rotschwingel reiht sich dabei in die Gattung der Schwingel (Festuca) ein. Diese Gattung umfasst ca. 200 Arten, von welchen der Rotschwingel (Festuca rubra) wahrscheinlich die bekannteste ist. 

Rotschwingel wird in verschiedene Unterarten eingeteilt. In geschlossenen Grasnarben und vor allem im vegetativen Zustand lassen sich die meisten Unterarten nur schwer unterscheiden. Anders verhält es sich, wenn Einzelpflanzen Platz zur Entfaltung haben und bis in den generativen Zustand mit Blütenbildung kommen. Dann fällt auch die Abgrenzung zwischen horstbildend und ausläufertreibend klarer ins Auge. 

Diesem Unterscheidungskriterium folgend sind die beiden wichtigsten, zu unterscheidenden Unterarten der ausläufertreibende (Festuca rubra rubra) und der horstbildende Rotschwingel (Festuca rubra commutata). Der horstbildende Rotschwingel findet nur im nicht-landwirtschaftlichen Bereich Verwendung. In der Landwirtschaft wird ausschließlich der ausläufertreibende Rotschwingel verwendet, wo er in Weiden zum Einsatz kommt. Horstrotschwingel bildet dichte Horste aus, im Gegensatz dazu verbreitet sich Ausläuferrotschwingel über unterirdische, gut verankerte Ausläufer (Rhizome) im Boden. Durch die meist dichten Narben ist die Art anfällig für Verfilzung und unter bestimmten Voraussetzungen auch Krankheiten, vor allem Rotspitzigkeit. 

Der ausläufertreibende Rotschwingel besitzt breitere und dunklere Blätter als horstbildender Rotschwingel. Er ist ausgesprochen winterhart und durch die Ausläuferbildung in der Lage, Lücken in der Narbe zu schließen und dadurch Unkräuter zu unterdrücken. Er hat eine gute Ausdauer und verträgt mäßige Beweidung, welche zudem das Wachstum fördert. Zur Schnittnutzung ist er als Untergras ebenfalls geeignet. 

Rotschwingel ist gegenüber anderen Arten konkurrenzschwach, er kann sich aber unter gewissen Bedingungen trotzdem als dominant erweisen. Beispielsweise ist er dort ein guter Narbenbildner, wo anspruchsvolle Arten wie Dt. Weidelgras oder Wiesenrispe nicht sicher gedeihen. Bei intensiver Düngung wird Rotschwingel jedoch von anderen Arten verdrängt. Trotz der geringen Futterwertzahl 5 ist Rotschwingel wegen seiner Ausdauer und Anspruchslosigkeit auf vielen Standorten unentbehrlich. Im Vergleich zu anderen Gräsern hat Rotschwingel einen niedrigeren Fruktananteil.

Blattanlage: gefaltet (teilweise fast borstenförmig)
Blattspreite: schmal bis sehr schmal, stark gerieft
Blattgrund: keine Öhrchen, Blatthäutchen sehr kurz
Blütenstand: unbegrannte, rot blühende Traube
Triebbasis: braun
 

Herkunft 

Der botanische Name Festuca rubra lässt sich von seinen rotbraunen Ähren ableiten. Er ist in Europa, Asien und Nordafrika weitverbreitet. In Australien, Nord- und Südamerika ist er ein sogenannter Neophyt. Das bedeutet, dass er in diesen Gebieten natürlicherweise eigentlich nicht vorgekommen ist, dieser aber bewusst oder unbewusst zu irgendeinem Zeitpunkt durch den Menschen eingeführt wurde und sich somit in dem Gebiet ausbreiten konnte. 

Klima & Boden 

Rotschwingel ist ein ausdauerndes Untergras und stellt geringe Ansprüche an Boden, Klima und Nährstoffversorgung mit einem breiten Toleranzbereich. Lediglich extreme Standorte, sowohl extrem trocken als auch nass oder sehr nährstoffarm, werden weniger gut vertragen. Er kann somit gut als Narbenbildner auf ärmeren, leichten oder auch moorigen Standorten eingesetzt werden, wo sich andere Arten schwertun. In der Landwirtschaft ist er ist ein unentbehrlicher Mischungspartner für raue und ungünstige Standorte. 

Nutzung 

Rotschwingel ist in geschlossenen Narben eine unscheinbare, stressresistente Pflanze, welche in zahlreichen Rasen- und Dauergrünlandmischungen verwendet wird. Er ist zur Weide- und bedingt auch Wiesennutzung geeignet und sorgt für gleichmäßig hohe Erträge. Weiterhin spielt Rotschwingel aufgrund der vorgestellten Eigenschaften Narbendichte und Unkrautunterdrückung eine große Rolle in Mischungen zur Brachebegrünung und zur Anlage von Untersaaten. Im Bereich der Untersaaten werden die vor allem im Vergleich zu Weidelgräsern langsamere Etablierung und höhere Schattenverträglichkeit sowie verhältnismäßig geringen Wuchshöhen geschätzt. Diese Eigenschaften werden benötigt, um Konkurrenzwirkungen zur Deckfrucht (zum Beispiel Mais oder Getreide) zu minimieren. Geringe Saatstärken von 4-6 kg sind in Untersaaten ausreichend. Einige Sorten weisen zudem eine gute Verträglichkeit gegenüber salzhaltigen Böden auf. Dies macht Rotschwingel zu einer wichtigen Art bei der Begrünung und Sicherung von Deichen und Dünenlandschaften entlang der Küsten in den gemäßigten Breiten. In vielen Rasenmischungen findet der Rotschwingel in Form von unterschiedlichen Unterarten Verwendung. Dabei unterscheiden sich die für die Nutzung im Rasen gezüchteten Sorten erheblich von der landwirtschaftlichen Genetik, da hier das Hauptaugenmerk auf einem feinen, meist mittel- bis dunkelgrünen Blatt mit guter Schnittverträglichkeit liegt. In Gebrauchsrasenmischungen und im extensiven Landschaftsrasen können alle üblichen Unterarten des Rotschwingels zur Anwendung kommen, in Zierrasenmischungen liegt die klare Dominanz bei den sehr feinblättrigen und optisch ansprechenden Horstrotschwingeln. Bestimmte Rasensorten des Hortrotschwingels weisen zudem eine gute Tiefschnitteignung auf, was sie im Bereich des Putting-Greens auf Golfplätzen zu einer unverzichtbaren Art macht. Bei den landwirtschaftlichen Sorten wird der Fokus auf Massebildung und Futterqualität gelegt, dafür sind die Blätter weniger fein und die Narben lockerer. Im Bereich der Ausläufer-Rotschwingel gibt es auch Sorten, die für beide Bereiche genutzt werden können.