Im Portrait: Ramtillkraut
Ramtillkraut

Guizotia abyssinica
| Familie: Korbblütler | Tausendkorngewicht: ca. 3,5-4 g |
| Unterfamilie: Asteroideae | Wuchshöhe: bis zu 200 cm, meist ca. 100-150 cm |
| Gattung: Guizotia | Aussaatstärke: 8-10 kg/ha |
| Art: Ramtillkraut | Chromosomenzahl: 2n = 30 |

Beschreibung
Das Ramtillkraut (Guizotia abyssinica) ist eine krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Pflanze erreicht eine Wuchshohe von etwa 1 bis 2 Metern und besitzt aufrechte, behaarte Stangel. Die Laubblätter sind schmal und länglich mit einer gezahnten oder gewellten Blattkante. Zur Blütezeit bildet das Ramtillkraut leuchtend gelbe, kleine Blütenkörbchen, die in lockeren Dolden angeordnet sind. Aus diesen Bluten entwickeln sich längliche, schwarze Samen, die stark ölhaltig sind. Diese Samen werden geerntet und für verschiedene Zwecke verwendet: Das daraus gewonnene Öl, "Nigeröl", ist ein hochwertiges Speiseöl und wird auch in der Kosmetik sowie zur Herstellung von Seifen verwendet. Zudem sind die Samen ein begehrtes Vogelfutter, insbesondere bei Wildvogeln und Papageien. Ramtillkraut wird als Nutzpflanze geschätzt, da es anspruchslos und resistent gegen Trockenheit ist, wodurch es in heißen und ariden Klimazonen gut gedeihen kann. Es hat einen positiven Einfluss auf die Bodengesundheit und ist daher auch eine wertvolle Zwischenfruchtpflanze in mitteleuropäischen Fruchtfolgesystemen.

Herkunft & Geschichte
Das Ramtillkraut hat seinen Ursprung in den Hochländern Äthiopiens und wurde bereits vor Jahrhunderten in Ostafrika als Nutzpflanze kultiviert. Die Menschen in Äthiopien und anderen Teilen Ostafrikas nutzten die ölreichen Samen traditionell für die Herstellung von Speiseöl und als Nahrungsmittel. In Äthiopien, wo die Pflanze ihr Hauptverbreitungsgebiet hat, ist das Ramtillöl auch heute noch ein wichtiges Produkt in der Küche und der traditionellen Medizin. Die Verbreitung der Pflanze begann in Afrika und setzte sich später in anderen Teilen der Welt fort, insbesondere in Asien. Durch die Handelsrouten fand das Ramtillkraut schließlich seinen Weg nach Indien, wo es bis heute ein gängiges Produkt ist, das vielseitig in der Küche und zur Seifenherstellung verwendet wird. Da das Ramtillkraut robust und trockenheitsresistent ist, eignet es sich gut für den Anbau in Regionen mit schwierigen klimatischen Bedingungen. Die weltweite Nachfrage nach Vogelfutter hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Wiederentdeckung und vermehrten Kultivierung dieser traditionsreichen Pflanze geführt, besonders in tropischen und subtropischen Klimazonen. In den letzten Jahren wird es auch vermehrt im Zwischenfruchtbau eingesetzt.

Nutzung & Ertrag
Ölproduktion:
Die Samen des Ramtillkrauts haben einen hohen Ölgehalt (30–40 %) und werden zur Gewinnung von Speiseöl verwendet. Dieses Öl ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und wird für kulinarische und industrielle Zwecke genutzt. In Indien und einigen afrikanischen Ländern wird das Ramtillöl traditionell in der Küche verwendet, ähnlich wie Sonnenblumen- oder Sesamöl. Der Presskuchen, der nach der Ölgewinnung zurückbleibt, dient als eiweißreiches Futter für Vieh. Er enthält neben Restfettanteilen noch viele Nährstoffe und wird insbesondere in der Milchviehfütterung geschätzt.
Gründüngung:
Aufgrund seiner raschen und sicheren Keimung und des kurzen Anbauzykluses von rund 90 Tagen wird Ramtillkraut gerne als Zwischenfrucht oder Gründüngung verwendet. Es hat eine schnellwachsende und bodenbedeckende Wuchsweise, die Unkraut unterdrückt und Erosion verringert. Durch seine Blüten ist das Kraut eine attraktive Nektarquelle für Bienen und andere Bestäuber. In der Imkerei wird es häufig genutzt, um die Nahrungsquelle für Bienen zu erweitern. Die tiefreichenden Wurzeln von Ramtillkraut lockern den Boden und verbessern so die Bodenstruktur. Ramtillkraut friert sehr zuverlässig ab, sobald sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt nähern. Nach dem Absterben der Pflanze verbleiben die Wurzeln im Boden und tragen zur Humusbildung bei. Aufgrund seines Wärmebedarfs empfiehlt sich eine Aussaat bei nicht zu tiefen Temperaturen, um eine zuverlässige Keimung und ein schnelles Wachstum zu gewährleisten. Bei passender Witterung erfolgen eine schnelle Etablierung und rasche Bodenbedeckung und -beschattung. Durch sein Wachstumspotential kann eine hohe Biomassebildung erfolgen, was zu einer Nährstoffspeicherung und Humusanreicherung bei Verbleib auf der Fläche führt. Ramtillkraut findet sowohl in Reinsaat als auch als Mischungskomponente im Zwischenfruchtanbau Verwendung. Da es mit keiner der in Mitteleuropa üblichen Hauptkulturen verwandt ist, lässt es sich in allen Fruchtfolgen einsetzen, ohne phytosanitäre Probleme zu verursachen.
Dekorative Zwecke:
Die hübschen, gelben Blüten des Ramtillkrauts werden gelegentlich auch als Schnittblumen oder in Gärten zur Auflockerung von Beeten genutzt.
Ertrag von Ramtillkraut:
Unter optimalen Bedingungen kann Ramtillkraut einen Samen-Ertrag von etwa 400–600 kg pro Hektar erreichen. In Ländern wie Indien oder Äthiopien werden oft sogar höhere Erträge erzielt, wenn klimatische Bedingungen wie die Regenverteilung günstig sind.
Ölertrag:
Aus den Samen lässt sich ein Ölertrag von etwa 120–180 Litern pro Hektar gewinnen, abhängig von der Effizienz der Extraktionsmethoden. Der Rest, der Presskuchen, bringt je nach Ölanteil etwa 300–400 kg pro Hektar an Tierfutter hervor.
Standortbedingungen und Pflege:
Ramtillkraut bevorzugt gut drainierte Böden und volles Sonnenlicht. Der Boden sollte jedoch nicht zu stark gedüngt werden, da dies das Pflanzenwachstum übermäßig fördert.
