Gräser & Leguminosen

Im Portrait: Dt. Weidelgras

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Dt. Weidelgras

Lolium perenne

Andere Namen: Ausdauernder Lolch, Ausdauerndes Weidelgras, Dauer-Lolch, Englisches Weidelgras, Englisches Raygras, Dinkelspelze

Familie: Süßgräser (Poaceae)Tausendkorngewicht: 2-4 g
Tribus: Pooideae                    Wuchshöhe: 30bis ca. 70 cm
Gattung: Lolch (Lolium)Aussaatstärke: 25-30 kg/ha
Art: Deutsches WeidelgrasChromosomenzahl: diploid2n = 14, tetraploid 4n = 28

Beschreibung 

Das Deutsche Weidelgras ist ein mehrjähriges, ausdauerndes Untergras, das dichte Narben ausbildet. Es wird zur Weide- und Wiesennutzung eingesetzt und besticht durch hohe Erträge. Eine hohe Trittfestigkeit und eine hohe Bestockung sind wesentliche Qualitäten. Es hat unbegrannte Ähren. Die Ähren sind S-förmig geschlängelt angelegt und in jeder Bucht sitzt abwechselnd, mit Abstand ein Ährchen (lockere Ähre). Im Gesamten wirkt die Ähre flach und schlank. 2-10 Blüten bilden jeweils ein Ährchen. Die Blütezeit ist von Mai bis in den Herbst. Deutsches Weidelgras hat grüne bis dunkelgrüne Blätter, die 2-4 mm breit sind und bis zu 20 cm lang werden können. Die Blattoberseite ist gerieft und dadurch rau, die Blattunterseite hingegen glatt, glänzend und mit einem deutlichen Blattkiel in der Mitte. Das Gras erreicht Wuchshöhen von bis zu 70 cm. Es ist horstbildend, treibt kurze Ausläufer und der Triebgrund ist rötlich-rotviolett. Es gibt viele, verschiedene Sorten vom Deutschen Weidelgras, sowohl landwirtschaftliche als auch Rasentypen. Im landwirtschaftlichen Bereich werden diese nach Reifegruppen gegliedert und es existieren momentan ca. 300 zugelassene Sorten in Deutschland. Neben der Reifegruppe unterscheidet man auch nach der Ploidie. Diploide Sorten haben eine höhere Narbendichte, feinere Blätter und einen geringeren Wasseranspruch. Tetraploide Sorten bestechen hingegen durch eine kräftigere Jugendentwicklung, stärkere Einzeltriebe mit einer höheren Blattmasse und bessere Siliereigenschaften. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind das Wuchsverhalten und die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.

Herkunft & Geschichte

Das Deutsche Weidelgras ist als Kulturfolger fast überall auf der Welt verbreitet. Heute kommt es in Europa, Nord- und Südamerika, Nordwest- Afrika, Asien, Australien und Neuseeland vor. In vielen dieser Länder ist das Gras jedoch ein Neophyt. Ursprünglich war es in Makronesien, Nordafrika, Europa und Sibirien bis zum Himalaja angesiedelt. Die Früchte, die sogenannten Karyopsen, haben sich an Fell, Hufe, Kleider und Schuhe geheftet und wurden so mitgetragen und verteilten sich. Durch diese Verbreitung wirkt der Name Deutsches Weidelgras fast verwirrend und es ist im Ausland als Englisches Weidelgras bekannt.

 

Klima & Boden

Das Deutsche Weidelgras gilt als wichtigstes Untergras auf intensiv genutzten Grünlandstandorten. Höchsterträge werden in frischen bis feuchten, nährstoffreichen Lagen (lehmige, tonige Böden) erzielt. Niederungslagen und Küstengebiete sind hier besonders prädestiniert. In der Nähe der Küste bleibt das Gras auch im Winter grün. Auf Standorten mit weniger als 600 mm Jahresniederschlag eignet sich das Deutsche Weidelgras weniger gut. Durch die eingeschränkte Winterhärte kann es bei tiefen Temperaturen zu starken Schäden kommen, die nur durch eine Nachsaat kompensiert werden können. Dafür ist es extrem strapazierfähig, tritt- und weidefest. Es eignet sich daher nur bedingt für Regionen mit rauem Klima und langen, kalten Wintern. Für Moorstandorte gibt es spezielle Sorten, die auf Mooreignung geprüft und für saure Böden mit Wassereinfluss geeignet sind.

Nutzen & Ertrag

Mit der höchstmöglichen Futterwertzahl 8 gilt Deutsches Weidelgras als sehr hochwertig. Besonders für Wiederkäuer ist es sehr gut verdaulich und weist hohe Energie- und Proteingehalte im Vergleich zu anderen weidestabilen Süßgräsern auf. Es kennzeichnet sich durch eine hohe Narbendichte und Ausdauer bei extremer Regenerationsfähigkeit. Besonders die hohe Konkurrenzkraft macht es zum absoluten Experten in puncto Nachsaat, wobei hier vor allem frühe Sorten durch die schnelle Jugendentwicklung vorteilhaft sind. Bei intensiver Düngung lassen sich hohe Erträge realisieren. Aufgrund seines hohen Regenerationsvermögens kommt das Deutsche Weidelgras besonders auf intensiv genutzten Flächen, wie beispielsweise Vielschnittwiesen oder intensiven Beweidungsflächen, zum Einsatz. Unter schwierigen Bedingungen kann es sinnvoll sein, den Jungpflanzenbestand mit einer Deckfrucht zu schützen. Dazu bietet sich zum Beispiel das Einjährige Weidelgras als Ammengras an. In Verbindung mit der Mantelsaat®-Technologie sind sichere Auflaufraten in rund einer Woche zu erzielen, wenn die Durchschnittstemperaturen ausreichend hoch sind. Eine Schnittnutzung ist von Ende April bis Ende Oktober möglich. Der erste Schnitt sollte am Ende vom Hauptentwicklungsstadium 4 (4 = Ährenschwellen) kurz vor dem Ährenschieben erfolgen. Die optimale Schnitthöhe beträgt dabei 7 cm. Bei einer 3-Schnittnutzung liegt der Futterertrag bei ca. 80 dt TM/ha und bei einer 5-Schnittnutzung bei 110-120 dt TM/ha. Neben seiner Nutzung in der Landwirtschaft ist das Deutsche Weidelgras auch eines der wichtigsten Rasengräser. Da es robust, strapazierfähig und trittfest ist, wird es in vielen Mischungen für Spiel- und Sportrasen oder für andere, viel benutzte Rasenflächen verwendet (Parkanlagen, Liegewiesen, Golfplätze, Rennbahnen, etc.). Je mehr das Gras belastet wird, desto strapazierfähiger und trittfester wird es. Auch im Rasenbereich gibt es ein breites Angebot an Sorten, die die Qualität der Rasenfläche optimieren und gleichzeitig den Pflegeaufwand möglichst gering halten.