2018: Extreme Trockenheit und Futtermangel

War das nur der Anfang?

Das Jahr 2018 im Überblick – Geprägt durch Rekordtrockenheit und abgestorbene Pflanzenbestände

Das Jahr 2018 wird aufgrund der extremen Trockenheit noch lange in Erinnerung bleiben.
Besonders auffällig war der extreme Umbruch im zeitigen Frühjahr.
Noch im April war die Befahrbarkeit auf vielen Flächen nicht gegeben, was an der hohen Bodenfeuchte aufgrund des sehr nassen und niederschlagsreichen Herbsts und Winters lag.

Bereits wenige Wochen später stellte sich ein vollkommen anderes Bild dar.
Der April war durch extreme Temperatur gekennzeichnet, alleine in NRW betrug die Abweichung der mittleren Lufttemperatur +5 °C im Vergleich zum langjährigen Mittel.
Spätestens nach dem 1. Schnitt fehlten die Niederschläge dann flächendeckend bei anhaltend hohen Boden- und Lufttemperaturen.
Leistungsfähige Bestände konnten die Bodenvorräte noch nutzen bis dann im Sommer nahezu überall extremer Trockenstress vorlag und auch die besten Futterflächen aufgrund der anhaltenden Dürre in die Knie gingen.
Bilder mit völlig abgestorbenen Pflanzenbeständen waren keine Seltenheit.
Diese Extreme zog sich vielerorts bis weit in den Herbst hinein, wodurch Reparaturmaßnahmen meist unmöglich waren. Auch der Versuch auf Ausweichflächen statt Zwischenfrüchten oder Winterungen zwanghaft Futter zu produzieren, ist vielerorts bereits an der Keimung gescheitert.

Auswirkungen auf bestehende Futterflächen – das müssen Sie jetzt beachten!

Prinzipiell sind die auf dem Dauergrünland eingesetzten Gräser und Leguminosen sehr regenerationsfähig.
Dies wurde bereits im milden Oktober und November sichtbar, als bei ausreichend Feuchtigkeit die abgestorbenen Narben wieder leicht ergrünten. Auch auf den Flächen auf denen im Spätherbst noch eine Pflegemaßnahme erfolgt ist, muss der Erfolg unbedingt kontrolliert werden.
Es ist unklar, ob die entsprechenden Niederschläge für eine erfolgreiche Etablierung ausreichend waren oder ob der Keimling bereits vertrocknet ist.
Insgesamt muss im zeitigen Frühjahr der Zustand des Grünlands flächenindividuell kontrolliert und entsprechende Maßnahmen zustandsbezogen durchgeführt werden.

Hierbei spielen folgende Punkte eine wesentliche Rolle:

  • Treiben die etablierten Grasnarben mit Beginn der Vegetation erneut aus?
  • Wie hoch ist der Lückenanteil der Narbe ohne erwünschten Pflanzenbestand?
  • Sind erste Anzeichen von Problemunkräutern in den Lücken oder abgestorbenen Altbeständen erkennbar?

Um die Bestandskontrolle richtig durchzuführen und den entsprechenden Lückenanteil abzuschätzen, hilft ein Blick auf die Abbildung Maßnahmen der Grünlandverbesserung.

Besonders unter den vorliegenden Bedingungen ist ein schnelles Schließen der entstandenen Lücken von hoher Bedeutung, um eine langfristige Verunkrautung vorzubeugen und die Leistungsfähigkeit des Grünlandbestands auf sein ursprüngliches Niveau zu erhöhen.
Eigentlich würde es sich unter diesen Umständen anbieten eine für den Standort angepasste Saatgutmischung zu verwenden, um den eigentlichen Pflanzenbestand wiederherzustellen.

Gerade jetzt wo die Altnarbe stark geschädigt ist und sich erst vollständig regenerieren muss, haben auch weniger konkurrenzfähige Arten, wie Wiesenrispe, Wiesenschwingel oder Wiesenlieschgras die Möglichkeit sich zu etablieren und einen entsprechenden Anteil im Pflanzenbestand einzunehmen.
Dem gegenüber steht der Futtermangel, der bei vielen Betrieben vorliegt und welcher eine Verzögerung des ersten Schnitts nahezu unmöglich macht.
Dies wiederum spricht für die Verwendung des sehr schnellen und konkurrenzstarken Deutschen Weidelgrases, wodurch das Risiko des Ertragsausfalls im ersten Schnitt deutlich reduziert wird.

Wie kann man sich zukünftig für ähnliche Extremfälle absichern?

Mit Sicherheit stellt die extreme Trockenheit 2018 mit anhaltend hohen Temperaturen und teils vollständig fehlenden Niederschlägen über Wochen und Monate eine Ausnahme dar.
Gleichzeitig ist jedoch vielerorts eine Verschiebung der Niederschläge zu verzeichnen, was durch zunehmende Trockenperioden sichtbar wird.
Hier reagiert besonders Deutsches Weidelgras empfindlich, da es für seine hohe Produktivität ausreichend Niederschläge braucht und das vorhandene (flachgründige) Wurzelwerk nicht für längere Trockenperioden ausgelegt ist.
Aber auch andere leistungsfähige Futtergräser, wie Wiesenrispe, Wiesenlieschgras oder Wiesenschwingel stoßen bei anhaltender Trockenheit schnell an ihre Grenzen.

Um einzelbetrieblich und flächenspezifisch auf die regionalen Gegebenheiten reagieren zu können, werden im Folgenden einige Kulturarten vorgestellt, welche die Trockenheit deutlich besser vertragen als andere.
Sie bleiben über lange Zeit noch produktiv oder überleben zumindest die geschilderten Extremsituationen und können sich anschließend schnell regenerieren:

Rohrschwingel - wird mit neuen Sorten und Mischungen alles besser?

Rohrschwingel ist im Zuge der anhaltenden Trockenperioden in aller Munde und da sich mittlerweile auch erste Mischungen auf dem Markt befinden, werden zur Zeit auch von Seiten der Offizialberatung Versuche mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der Art durchgeführt.
Unbestritten ist die tiefwurzelnde Eigenschaft im Vergleich zu vielen anderen Futtergräsern, wodurch auch zu Zeiten des Wassermangels eine stärkere Trockentoleranz beobachtet werden kann.
Auch bezogen auf die Gesamterträge schneidet Rohrschwingel im Vergleich aller Futtergräser oftmals mit den höchsten Werten ab.
Problematisch sind dagegen die Qualitätseigenschaften, was besonders in den geringen Energiegehalten trotz optimalem Schnittzeitpunkt sichtbar wird.
Hierbei spielt die geringe Nutzungselastizität aufgrund der raschen Zunahme des Rohfasergehalts eine wesentliche Rolle.
Auch die Akzeptanz der Tiere ist bei vielen Rohrschwingelsorten aufgrund der Blatttextur problematisch, wobei hier durch züchterische Selektion und den daraus entstandenen weichblättrigen Rohrschwingelsorten (softleaf type) Abhilfe geschaffen wurde.

Fazit:
Insgesamt hat der Einsatz von Rohrschwingel bezogen auf trockenheitsgeprägte Standorte Potenzial.
Kommen entsprechende Mischungen zum Einsatz, sind Mischungsanteile von über 40 % notwendig, um entsprechende Eigenschaften zu generieren.
Die geringere Akzeptanz spricht eher für Silagenutzung, gleichzeitig muss mit Qualitätseinbußen gerechnet werden.

Knaulgras - bietet hohen Futterwert und zeigt ähnliche Trockentoleranz wie Rohrschwingel

Seit vielen Jahren wird Knaulgras für sehr trockene Mähweiden empfohlen und unter diesem Aspekt auch in den Qualitätsstandardmischungen der Offizialberatung aufgegriffen.
Knaulgras gilt als stark horstbildendes Obergras und hat die Futterwertzahl 7, wenn eine frühe Nutzung stattfindet.
Aufgrund des frühen Austriebs und der frühzeitigen, starken Lignifizierung (Verholzung) nimmt die Wertzahl bei späterer Nutzung deutlich ab.
Knaulgras ist ausdauernd, konkurrenzstark, massenwüchsig und stark im Auf- und Nachwuchs.
Es gilt als Spezialist für trockene Standorte und ist kälteunempfindlich.
Ein intensives Düngungs- und Nutzungsniveau sowie Beweidung werden gut vertragen.

Fazit:
Knaulgras zeigt in eigenen Versuchen eine ähnliche Trockentoleranz wie Rohrschwingel und ist aufgrund des guten Futterwerts bei rechtzeitiger Nutzung in vielen Punkten als gleichwertig oder überlegen anzusehen.
Besonders die empfohlene Mischung IV MG-400 der Offizialberatung eignet sich daher für entsprechende Standorte.

Luzerne - die Königin der Futterpflanzen (auch) bei Trockenheit

„Auch als alle anderen Flächen vollständig abgestorben waren, ist die Luzerne grün geblieben und weiter gewachsen“.
Dieses eindrucksvolle Zitat zeigt, welche Möglichkeiten auch im Jahr 2018 mit dem Anbau von Luzerne möglich waren.
Doch wie ist dies möglich?

Bereits im Eingang wurde der nasse Winter und die daraus resultierende hohe Bodenfeuchtigkeit im Frühjahr beschrieben.
Die Möglichkeit auf solche tiefliegenden Reserven zurückzugreifen, besitzen nur sehr wenige Kulturpflanzen und ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Luzerne.
Mit einer Pfahlwurzel, die eine Tiefe von über zwei Metern erschließen kann, können fehlende Niederschläge über lange Zeit kompensiert werden.
Ein solches Wurzelsystem übertrifft jenes vom Rohrschwingel deutlich, der maximal eine Tiefe von 80 cm erreichen kann.

Fazit:
Andere Faktoren, wie die hohen Trockenmasse- und Proteinerträge sind lange bekannt und machen die Luzerne zur Königin der Futterpflanzen, eben auch unter den schwierigen Bedingungen wie im zurückliegenden Jahr 2018.