Mais-Stangenbohnen-Gemenge

zur Erfüllung der vielfältigen Fruchtfolge!

Fördermaßnahmen der Bundesländer

In den vergangenen Jahren hat das Förderprogramm „Vielfältige Fruchtfolge“ in einigen Bundesländern einen enormen Beitrag zur Biodiversität der heimischen Landwirtschaft geleistet.
Mit ca. 90-120 € Förderung pro Hektar der gesamten Betriebsfläche kann es betriebswirtschaftlich von großem Interesse sein, das Produktionssystem hinsichtlich der Fördereignung zu überprüfen. Mit dem Einsatz vom Mais-Stangenbohnen-Gemenge ist es im vergangenen Jahr ersten Landwirten gelungen, die Forderungen des Förderprogramms umzusetzen und gleichzeitig ökonomische und ökologische Vorteile miteinander zu vereinen.

Diese in Deutschland noch relativ junge Anbaukombination wurde 2017 von etwa 40 landwirtschaftlichen Betrieben getestet, wobei bislang nur wenige die Förderung der vielfältigen Fruchtfolge in Anspruch nehmen.

Hierbei deckt das Gemenge den Part der Leguminosenverpflichtung ab, ohne dass energiereiches Substrat für Biogasanlagen oder Fütterung verloren geht. Die Vorteile liegen auf der Hand:

Durch die effektive Ausnutzung des Wurzelraums ist das System in der Lage, erhöhte Gesamterträge zu generieren. Gleichzeitig nimmt der Proteingehalt der Silage deutlich zu. Inwiefern das Substrat neben der Verwertung in Biogasanlagen auch in der Milchviehfütterung zum Einsatz kommen kann, wird aktuell vom Thünen-Institut erforscht.

Problematisch könnte hierbei der Inhaltsstoff Phasin wirken, wobei erste Stangenbohnensorten auf dem Markt erhältlich sind, bei denen der Phasingehalt um das 20-fache verringert ist. Neben den genannten Vorteilen könnte das Gemenge im Zuge der neuen Düngeverordnung an Bedeutung gewinnen. Als Leguminose ist die Stangenbohne in der Lage, die Stickstoffverwertung des reinen Maisanbaus deutlich zu verbessern. Zum einen kann bei Stickstoffüberschuss eine zusätzliche Aufnahme durch die Stangenbohne erfolgen, während bei Mangelsituationen die Stickstofffixierung der Leguminose greift.

In allen Bundesländern wird das Mais-Stangenbohnen-Gemenge mit einem eigenen Nutzungscode im Flächenantrag versehen.
Es bildet ein eigenständiges Fruchtfolgeglied neben dem reinen Maisanbau und stellt somit einen weiteren Baustein zur Erfüllung der biodiversen Fruchtfolge dar.

Für die Erfüllung der vielfältigen Fruchtfolge sind verschiedene Rahmenbedingungen zu beachten.
Die wichtigsten werden im Folgenden kurz erläutert:

  • Jährlich müssen mindestens fünf verschiedene Hauptfruchtarten mit einem Anteil von mindestens 10 % und maximal 30 % der Ackerfläche angebaut werden.
  • Der Getreideanteil der Fruchtfolge darf 66 % der Ackerfläche nicht überschreiten.
  • Auf mindestens 10 % der Ackerfläche müssen Leguminosen oder ein Gemenge, das Leguminosen enthält, angebaut werden.

Anbautelegramm

Aussaat

Gemenge

Gleichzeitige Aussaat von Mais und Stangenbohnen innerhalb einer Reihe mit konventionellem Reihenabstand

Alternierende Reihen

Konventionelle Mais-Aussaat auf 75 cm Reihenabstand, anschließend oder maximal 3 Tage später Aussaat der Stangenbohnen Reihen genau zwischen die Maisreihen

Saatstärke

In Abhängigkeit von den gewünschten Eigenschaften der Silage kann der Anteil Mais zu Stangebohne ausgewogen sein (6 + 6 Pflanzen/m²); für ein optimales Ergebnis empfiehlt sich aber ein geringer Maisüberhang (8 + 4,5 Pflanzen/m²).

Herbizid-Maßnahme*

Konventionell

Im Vorauflauf, maximal 2 Tage nach der Saat, Spectrum® und Stomp® Aqua. Bei der Verwendung von Focus Ultra resistenten Maissorten ist eine Anwendung gegen Hirse im Nachauflauf möglich. Weitere Herbizide werden aktuell von der Landwirtschaftskammer überprüft.

Ökologisch

Allgemein können sehr gute Effekte durch Hacken erzielt werden. Hierbei kann die gleiche Technik wie bei reinem Maisanbau zum Einsatz kommen.

Ernte

In der Regel zur gleichen Zeit wie Mais, je nach Sortenwahl etwas später. Es kann die gleiche Technik verwendet werden.

Sorten

  • Mais: Standfest und unempfindlich für Stängelfäule
  • Stangenbohne: Kälteverträglich, ertragreich, angepasste Reifegruppe

* Aktuelle Gesetzeslage beachten!

Mehr als Biodiversität!

Der Mais-Stangenbohnen-Bestand ist in der Lage das einfallende Licht deutlich besser zu verwerten. Gleichzeitig beschattet der Bestand den Boden deutlich stärker, was den Unkrautdruck erheblich verringern kann. Weitere Vorteile liegen in einer besseren Bodengare, welche eine höhere biologische Aktivität zur Folge hat. Auch Erosion kann durch das Anbausystem nachhaltig verbessert werden!

Mais mit Stangenbohnen
Mais ohne Stangenbohnen
Pflanzenbestand kurz vor der Ernte

Die Impfung macht den Unterschied!

Stangenbohnen (Gartenbohnen) gehören zur Familie Phaseolus. Sollen die Vorteile der Leguminosen ausgenutzt werden und eine erfolgreiche Symbiose zwischen Bakterium und Pflanze ausgebildet werden, ist eine Impfung mit Rhizobien auf den meisten Standorten unumgänglich, da die natürlich vorkommenden Bakterien nur in sehr geringer Zahl vorhanden sind.

Anwendung Impfmittel
Das flüssige Impfmittel ist sofort einsatzbereit und sollte unmittelbar vor der Aussaat angewendet werden. Um ein optimales Resultat zu erreichen, sollte das Impfmittel möglichst gleichmäßig auf dem Saatgut verteilt werden. Dies kann auch mit Hilfe eines Pumpzerstäubers oder einer Rückenspritze durchgeführt werden. Es ist zu empfehlen, das Saatgutdirekt in der Drillmaschine oder einem dafür geeigneten Behältnis zu impfen. Nur durch ein sorgfältiges Durchmischen kann eine sichere Impfung gewährleisten werden.

Anwendungsschritte
1. Flasche gut schütteln
2. Flasche aufdrehen und den Inhalt gleichmäßig auf das Saatgut geben
3. Das behandelte Saatgut 20 min gut durchmischen
4. Behandeltes Saatgut sofort aussäen

Eignung für die Rinderfütterung bestätigt!
Die ersten Praxisbetriebe machen es vor, die Forschung zieht nach und bestätigt die Einsatzmöglichkeit von Mais-Stangenbohnen-Silage in der Rinderfütterung.
Erste umfangreiche Versuche zeigen, dass der in den Stangenbohnen enthaltene Bitterstoff Phasin kein Problem für die Wiederkäuer darstellt.
Es wird weder ein Leistungsabfall der Tiere beobachtet noch werden gesundheitliche Probleme festgestellt.
Auch in der Milch kann Phasin nicht nachgewiesen werden. Aktuell werden Hypothesen aufgestellt, dass ein Großteil des Stoffes bereits im Zuge der Silierung abgebaut wird. Erste Veröffentlichungen der Technischen Universität München (TUM) werden für Anfang 2019 erwartet.

Die Vorteile auf einen Blick
Mehr Protein durch Stangenbohnen
Stangenbohnen kennzeichnen sich durch einen hohen Proteingehalt in der Kornanlage und der Gesamtpflanze aus. Mit rund 14 % ist der Proteingehalt der Gesamtpflanze doppelt so hoch wie der einer Maispflanze. Durch den Einsatz des Gemenges muss in der Fütterung weniger Protein zugefüttert werden.

Schnelle Bodenbedeckung, hohe Unkrautunterdrückung
Der Stangenbohnenanteil führt zu einer schnellen Beschattung des Bodens und schließt die Reihen in kürzerer Zeit als dies beim Mais im Reinanbau der Fall ist. Dadurch werden von Beginn an auflaufende Unkräuter gezielt unterdrückt und gleichzeitig die biologische Aktivität des Oberbodens erhöht. Auch der Anteil des einfallenden Lichts wird durch das Gemenge deutlich effizienter genutzt.

Leguminose = Stickstofffixierung
Die Stangenbohne ist in der Lage eine Symbiose mit Knöllchenbakterien einzugehen und dadurch Luftstickstoff pflanzenverfügbar zu machen.
Dieser kann für die Versorgung der Bohnenpflanze, aber auch für die benachbarten Maispflanzen, zur Verfügung gestellt werden.
Besonders im Zuge neuer Regulierungen durch die Düngeverordnung kann dies mit Blick auf eingeschränkte Düngemengen an Bedeutung gewinnen.