Was sollte noch beachtet werden?

Der Erfolg von Nachsaatverfahren, ob als Über- oder als Durchsaat, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Unbedingt wichtig ist eine geeignete Nachbehandlung, die bei Einsatz von Kombinationsgeräten teilweise wegfallen kann.

Walzen
Guter Bodenschluß ist für die Saat wichtig. Für das Anwalzen von Nachsaaten sind Ringel- oder Cambridgewalzen besser geeignet als Glattwalzen. Sehr gut haben sich Prismenwalzen bewährt. Es braucht nicht gewalzt werden, wenn der Boden ausreichend feucht ist.

Früher Schnitt
Die der Nachsaat anschließende erste und zweite Folgenutzung muss zeitig durchgeführt werden (Schröpfschnitt bei etwa 15 cm Bestandeshöhe).

Düngung
Im Ansaatjahr sollte generell auf Gülledüngung verzichtet werden, weil Gülle evtl. die neu aufkeimenden Sämlinge verätzt.

Pflanzenschutz
Auflaufende Unkräuter in der Ansaat sollten sofort mechanisch mittels eines Mulch- oder Schröpfschnittes bekämpft werden.

Neuansaat
Neuansaat dient in erster Linie zur Sanierung desolater Bestände, z. B. stark verungraster oder mit hartnäckigen Unkräutern verunkrauteter Bestände oder von Wildschweinen zerstörter Flächen.
Neuansaat kann mit und ohne Bodenbearbeitung erfolgen. Sind hartnäckige Wurzel-Unkräuter vorhanden, müssen diese eventuell vorher chemisch bekämpft werden. Bei allen Verfahren ist auf eine flache Saat (1 cm) zu achten.

Neuansaat ist nur angebracht, wenn:

  • der Bestand hohe Anteile (über 50 Prozent) minderwertiger Gräser wie Quecke, Rasenschmiele, Gemeine und Jährige Rispe oder Wolliges Honiggras und Unkräuter enthält,
  • die Grünlandproduktion an veränderte arbeitswirtschaftliche, konservierungstechnische oder auf Leistungsfütterung bezogene Anforderungen angepasst werden soll,
  • großflächige Zerstörungen durch Wildschweine vorliegen.

Neuansaat mit mechanischer Zerstörung
der Grasnarbe ist derzeit in manchen Bundesländern untersagt und hat ganz gravierende Nachteile. Der im Humus gebundene Kohlenstoff wird durch mechanische Bearbeitung freigesetzt. Zudem kommt es zu einer Mineralisierung des Bodenstickstoffes und in der Folge meist zu Ertragssteigerungen in den ersten Jahren nach der Ansaat und nach Aufbrauchen des freigesetzten Stickstoffes zu einer Ertragsabnahme (sogenannte Hungerjahre) bis zum erneuten Aufbau eines stabilen Humusvorrates. Das macht die Neuansaat risikoreich und teuer. Zudem besteht ein hohes Risiko bei Frässaaten oder Ansaaten mit Kreiselegge, dass Ampfersamen auflaufen und den Bestand überwachsen.

Blanksaat oder Ansaat unter Deckfrucht?
Deckfrüchte stehen unvermeidbar in Konkurrenz zur Grünlandansaat. Es kann jedoch vorteilhaft sein, Deckfrüchte zu verwenden, wenn die Daueransaat geschützt werden muss, etwa in rauen Lagen der Mittelgebirge und wenn bei ausreichender Wasserversorgung im Frühjahr gesät werden kann. Mögliche Deckfrüchte sind etwa Grünhafer und kurzlebige Sorten von Einjährigem Weidelgras. Die Saatmenge für Deckfrüchte sollte gegenüber der üblichen Stärke um mindestens ein Drittel reduziert werden. Mit Nachteilen ist eventuell bei Standorten zu rechnen, die zur Verunkrautung und Verungrasung neigen. Die Aussaat erfolgt nach der Bodenbearbeitung mit Pflug, Fräse oder Kreiselegge in Breitsaat (Säschare hochgehängt) in ein feinkrümeliges Saatbeet. Durch Überkreuz- oder Diagonalsäen mit jeweils halber Saatgutmenge lässt sich ein rascherer Narbenschluss erzielen. Vor allem bei Moorböden ist ein guter Bodenschluss wichtig. Deshalb sollte vor und nach der Saat möglichst mit Nocken- oder Ringelwalze gewalzt werden. Glattwalzen wirken wegen der entstehenden glatten Bodenoberfläche erosionsfördernd.

Neuansaat ohne Bodenbearbeitung
Die Neusaat kann auch ohne Bodenbearbeitung nach chemischer Abtötung der Narbe erfolgen. Bei dieser Art der Neuansaat wird die Altnarbe bei mindestens 10 bis 15 cm Aufwuchshöhe mit einem Totalherbizid abgespritzt. Nach zwei bis drei Wochen Wartezeit kann der Aufwuchs, falls erforderlich, abgeräumt und mit Schlitzsägeräten neu angesät werden. Aufgrund der geringen Wartezeit hat sich bislang der Wirkstoff Glyphosat bewährt. Inwieweit nun mögliche Nebenwirkungen beachtet werden müssen, bleibt abzuwarten. Die Aufwandmenge liegt bei 4 bis 5l/ha, vor allem bei grasreichen Beständen, oder bei 3 l/ha, gemischt mit 10 kg schwefelsaurem Ammoniak.

Dieses Verfahren hat einige Vorteile:

  • Auch auf erosionsgefährdeten Standorten wird eine Grünlanderneuerung möglich.
  • Das Bodenleben bleibt ungestört. Die Bodenstruktur bleibt erhalten.
  • Das Verfahren eignet sich besonders für Moorböden und andere, nicht pflugfähige Standorte.
  • Es werden nur geringe Stickstoffmengen freigesetzt.

Die Nachteile:

  • Das Auflaufen der Grünlandpflanzen ist zeitweilig gehemmt. Vor allem Knaulgras reagiert empfindlich gegen den Wirkstoff Glyphosat.
  • Das Verfahren ist sehr wasserbedürftig.
  • Bei bestimmten Ausgangs-Verunkrautungen, etwa hohem Besatz mit Taubnessel, Rotschwingel und Doldenblütler-Arten, ist das Verfahren problematisch.

Saattermin im Blick
Der Termin für die Neuansaat hängt vor allem vom verfügbaren Wassergehalt ab. Für die Frässaat erscheint das Aussäen zum ersten Aufwuchs wegen des hohen Unkrautdruckes ungünstiger als die Saat nach dem ersten Schnitt von Juni bis Anfang September. In sommertrockenen Gebieten sollte die Frässaat zum Monatswechsel Mai/Juni erfolgen. Auf ausreichende Zeit zur Bekämpfung eventueller Folge-Verunkrautungen ist zu achten. Auch die erforderlichen nächtlichen Temperaturen für einen erfolgreichen Einsatz der Mittel sind unbedingt zu berücksichtigen. In sommertrockenen Gebieten kann nach Totalbekämpfung im Herbst die Ansaat im Frühjahr erfolgen. Allerdings mit dem Risiko, dass Unkräuter und -gräser mit niedrigen Keimtemperaturen rascher austreiben können.

Saatmischungen für Neuansaat
Hierbei wird Saatgut in einem anderen Mischungsverhältnis als bei der Nachsaat verwendet (amtliche Beratung kontaktieren). Die geeigneten Mischungen sind nach der angestrebten Intensität der Bewirtschaftung und den Standortbedingungen auszuwählen. Uneingeschränkt verwendbar sind nur Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenschwingel (Festuca pratensis), Knaulgras (Dactylis glomerata), Wiesenrispe (Poa pratense), Lieschgras (Phleum pratense) und Weißklee (Trifolium repens). Bei feuchten Standorten hat noch der Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratense) Bedeutung, auf Wiesen mit verringerter Intensität der Rotschwingel (Festuca rubra) und in Tallagen auch der Glatthafer (Arrhenatherum elatius). Für trockene Lagen sind Wiesenriespe (Poa pratense) und Rohrschwingel (Festuca arundinacea) besonders gut geeignet, wobei letzterer zwar gut gedeiht, aber recht ungern von den Weidetieren gefressen wird.