Ökologische Vorrangflächen..

... im Rahmen der EU-Agrarreform

Wichtiger Hinweis: Die folgenden Ausführungen spiegeln den derzeitigen Diskussionsstand wider (Stand Dez 2014), da noch nicht alle Rechtsgrundlagen vorliegen. Insofern sind Änderungen einzelner Vorgaben noch möglich!

Um im Rahmen des neuen Prämiensystems der EU-Agrarreform die Greeningprämie in ungekürzter Höhe zu bekommen, müssen drei zentrale Anforderungen erfüllt werden:
Grünlanderhaltung, Anbaudiversifizierung und die ökologischen Vorrangflächen.

Auf letztere soll im Folgenden detailliert eingegangen werden. Ökologische Vorrangflächen sind „im Umweltinteresse genutzte Flächen“, wobei diese Flächen auf Ackerland liegen müssen.

Zur Schaffung ökologischer Vorrangflächen sind Betriebe verpflichtet, die mehr als 15 ha Bruttoackerfläche (d. h. inklusive Landschaftselemente) bewirtschaften. Es müssen 5 % dieser Bruttoackerfläche als ökologische Vorrangflächen geschaffen werden. Aus den verschiedenen, unterschiedlich gewichteten Arten der Vorrangflächen, die das EU-Recht vorsieht, kann sich jeder Betrieb die für ihn optimale Kombination zusammenstellen. Bei allen Vorrangflächen ist zu beachten, dass das Fachrecht (DüngeVO etc.) unverändert gültig ist. Die wichtigsten Arten der Vorrangflächen sollen nun erläutert werden (Auszug):

Zwischenfrüchte (1 ha = 0,3 ha ökologische Vorrangfläche)
Die Zwischenfrüchte müssen zwischen dem 16.07. und 30.09. ausgesät werden. Es sind keine Reinsaaten, sondern nur Mischungen zulässig. Hier darf jede Komponente max. 60 % Anteil an der Mischung haben, der Anteil an Gräsern darf 60 % nicht überschreiten. Die Bezugsbasis ist die Anzahl der Samenkörner in der Mischung. Die Gesetzgebung sieht eine detaillierte Liste an zulässigen Pflanzenarten vor. Auf den Flächen darf kein Pflanzenschutz, kein mineralischer Dünger und kein Klärschlamm ausgebracht werden. Die organische Düngung mit Gülle, Stallmist etc. ist möglich. Eine Beweidung ist nur mit Schafen oder Ziegen zulässig. Der Pflanzenbestand muss bis zum 15.02. des Folgejahres stehen, zwischendrin kann zur Vermeidung der Samenbildung gemulcht werden, der Aufwuchs muss aber auf der Fläche verbleiben. Ab dem 15.02. dürfen wieder Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, Aussaat der Folgekultur etc. stattfinden. Die Nutzung des Aufwuchses der Zwischenfrüchte zu Futterzwecken oder in Biogasanlagen ist ab dem 15.02. des Folgejahres zulässig.

Grasuntersaat (1 ha = 0,3 ha ökologische Vorrangfläche)
Die Untersaat muss ausschließlich aus Gräsern bestehen und kann mit der Hauptkultur ausgebracht werden. Eine Terminvorgabe zur Einsaat gibt es hierbei nicht. Der Pflanzenbestand der Hauptkultur (z. B. Mais) kann hinsichtlich Düngung und Pflanzenschutz ganz normal geführt werden. Für die Ernte der Hauptkultur ist ebenfalls kein Termin festgelegt. Für den im Anschluss verbleibenden Grasbestand der Untersaat gelten die gleichen Bewirtschaftungsauflagen wie für die o.g.
Zwischenfrüchte.

Leguminosen (1 ha = 0,7 ha ökologische Vorrangfläche)
Auch bei den Leguminosen gilt eine Liste mit den zulässigen Pflanzenarten, die die gängigen Leguminosen umfasst. Wichtig ist, dass keine Gemische, wie z. B. Kleegras zulässig sind. Einen vorgegebenen Aussaattermin sowie Restriktionen hinsichtlich Düngung und Pflanzenschutz gibt es nicht. Auch Schnittnutzung, Drusch und Beweidung sind nicht eingeschränkt. Es gilt das Fachrecht. Die Leguminosen können auch über mehrere Jahre stehen, was beispielsweise bei Luzerne sinnvoll sein kann. Nach den Leguminosen muss jedoch eine Winterung oder Winterzwischenfrucht stehen.

Pufferstreifen (1 ha = 1,5 ha ökologische Vorrangfläche)
Pufferstreifen müssen sich auf Acker oder auf an Acker grenzendem Dauergrünland und entlang von Gewässern befinden und dürfen die Höchstbreite von 20 m nicht überschreiten. Bei den Pufferstreifen kann die angrenzende Ufervegetation mit angerechnet werden. In einem solchen Fall gilt die maximale Breite von 20 m dann für die Summe aus Ufervergetationsstreifen und Pufferstreifen. Die Streifen müssen bis zum 01.04. des Förderjahres gezielt begrünt werden. Hier ist zu beachten, dass keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken (z. B. Getreide) ausgesät werden dürfen. Neben Wildblumen- und Gräsermischungen werden auch krautartige Futterpflanzen als zulässig angesehen. Hierzu zählt nicht der Silomais, sondern eher Klee, Luzerne etc.. Alternativ kann der Streifen der Selbstbegrünung überlassen werden. Düngung und Pflanzenschutz sind nicht zulässig. Die Flächen müssen mindestens einmal jährlich gepflegt (d. h. gemulcht bzw. gemäht) werden, dies darf jedoch nicht im Zeitraum 01.04. bis 30.06. stattfinden. Ab dem 01.07. darf der Aufwuchs gemäht, abgefahren und zur Fütterung bzw. in Biogasanlagen genutzt werden, wenn der Streifen vom angrenzenden Acker unterscheidbar bleibt. Ab dem 01.08. darf die Bodenbearbeitung und Einsaat der Folgekultur zu Erntezwecken im Folgejahr durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang sind Düngung und Pflanzenschutz zulässig.

Feldränder (1 ha = 1,5 ha ökologische Vorrangfläche)
Im Unterschied zu den Pufferstreifen müssen Feldränder nicht am Gewässer liegen, sondern können sich auf den Ackerflächen an allen Rändern oder zwischen den Ackerschlägen befinden. Die Streifen müssen bis zum 01.04. des Förderjahres gezielt begrünt werden. Hier ist zu beachten, dass keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken (z. B. Getreide) ausgesät werden dürfen. Neben Wildblumen- und Gräsermischungen werden auch krautartige Futterpflanzen als zulässig angesehen. Hierzu zählt nicht der Silomais, sondern eher Klee, Luzerne etc.. Alternativ kann der Streifen der Selbstbegrünung überlassen werden. Düngung und Pflanzenschutz sind nicht zulässig. Des Weiteren darf hier der Aufwuchs nicht gemäht und genutzt werden, das Mulchen ist jedoch mit Ausnahme des Zeitraumes 01.04. bis 30.06. zulässig. Ab dem 01.08. darf die Bodenbearbeitung und Einsaat der Folgekultur zu Erntezwecken im Folgejahr durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang sind Düngung und Pflanzenschutz zulässig.

Streifen an Waldrändern (1 ha = 1,5 ha ökologische Vorrangfläche)
Im Unterschied zu den Pufferstreifen und Feldrändern müssen diese Streifen direkt am Waldrand liegen. Die Höchstbreite beträgt 10 m. Die Streifen müssen bis zum 01.04. des Förderjahres gezielt begrünt werden. Hier ist zu beachten, dass keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken (z. B. Getreide) ausgesät werden dürfen. Neben Wildblumen- und Gräsermischungen werden auch krautartige Futterpflanzen als zulässig angesehen. Hierzu zählt nicht der Silomais, sondern eher Klee, Luzerne etc.. Alternativ kann der Streifen der Selbstbegrünung überlassen werden. Wie bei den Pufferstreifen darf hier der Aufwuchs außerhalb des Zeitraums 01.04. bis 30.06. gemäht und wirtschaftlich genutzt werden, wenn der Streifen vom angrenzenden Ackerland unterscheidbar bleibt. Düngung und Pflanzenschutz sind grundsätzlich nicht zulässig. Ab dem 01.08. darf die Bodenbearbeitung und Einsaat der Folgekultur zu Erntezwecken im Folgejahr durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang sind Düngung und Pflanzenschutz zulässig. Am Wald besteht ein Wahlrecht, ob ein Waldrandstreifen oder ein Feldrand angelegt wird.

Stilllegung (1 ha = 1 ha ökologische Vorrangfläche)
Die Stilllegungen müssen bis zum 01.04. des Förderjahres gezielt begrünt werden. Hier ist zu beachten, dass keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken (z. B. Getreide) ausgesät werden dürfen. Neben Wildblumenund Gräsermischungen werden auch krautartige Futterpflanzen als zulässig angesehen. Hierzu zählt nicht der Silomais, sondern eher Klee, Luzerne etc.. Alternativ kann die Fläche der Selbstbegrünung überlassen werden. Düngung und Pflanzenschutz sind nicht zulässig. Des Weiteren darf hier der Aufwuchs nicht gemäht und wirtschaftlich genutzt werden, das Mulchen ist jedoch mit Ausnahme des Zeitraumes 01.04. bis 30.06. zulässig. Ab dem 01.08. darf die Bodenbearbeitung und Einsaat der Folgekultur zu Erntezwecken im Folgejahr durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang sind Düngung und Pflanzenschutz zulässig. Die beschriebenen Streifen, aber auch beispielsweise der Leguminosen- und Zwischenfruchtanbau, können zusätzlich mit Agrarumweltmaßnahmen kombiniert werden. Die neuen AUM-Richtlinien befinden sich derzeit noch im Entwurf, insofern ist die detaillierte Ausgestaltung der Richtlinien noch unklar. Insgesamt bieten sich vielfältige Optionen und Kombinationsmöglichkeiten, wie die ökologischen Vorrangflächen betriebsindividuell nach pflanzenbaulichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten zusammengestellt werden können.

Christian Solle Landwirtschaftskammer NRW

Faktencheck (Auszug)

Brachliegende Flächen

  • Faktor 1 (1 m² = 1 m² öVF)
  • Mindestgröße 0,1 ha*, Einsaattermin bis 01.04.
  • Mindestens einmal pro Jahr mulchen, nicht zwischen dem 01.04. und dem 30.06.
  • Keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken
  • Kein Pflanzenschutz, kein mineralischer Stickstoff- oder Wirtschaftsdünger
  • Aussaat und Bodenbearbeitung ab 01. August möglich, die zur Ernte im Folgejahr führen

Pufferstreifen

  • Faktor 1,5 (1 m² = 1,5 m² öVF)
  • Einsaattermin bis 01.04.
  • Lage: An Gewässern und auf Acker oder Grünland an Acker angrenzend, mit und ohne Ufervegetationsstreifen
  • Breite mind. 1 m, max. 20 m in Summe (ggf. inkl. Ufervegetationsstreifen)
  • Mindestens einmal pro Jahr mähen oder mulchen, nicht zwischen dem 01.04. und dem 30.06.
  • Nutzung Aufwuchs: ab 01.07.
  • Kein Pflanzenschutz, kein mineralischer Stickstoff- oder Wirtschaftsdünger
  • Beweidung/ Schnittnutzung: ja (Fläche muss sich von angrenzender Ackerfläche unterscheiden)
  • Aussaat und Bodenbearbeitung ab 01. August möglich, die zur Ernte im Folgejahr führen
  • Keine landwirtschaftliche Erzeugung während des Jahres

Streifen von beihilfefähigen Hektarflächen an Waldrändern

  • Faktor 1,5 (1 m² = 1,5 m² öVF)
  • Einsaattermin bis 01.04.
  • Lage: Am Wald und auf dem Acker
  • Breite mind. 1 m, max. 10 m in Summe
  • Mindestens 1x pro Jahr mähen oder mulchen, nicht zwischen dem 01.04. und dem 30.06.
  • Nutzung Aufwuchs: ab 01.07.
  • Kein Pflanzenschutz, kein mineralischer Stickstoff- oder Wirtschaftsdünger
  • Beweidung/ Schnittnutzung: ja (Fläche muss sich von angrenzender Ackerfläche unterscheiden)
  • Aussaat und Bodenbearbeitung ab 01. August möglich, die zur Ernte im Folgejahr führen
  • Keine landwirtschaftliche Erzeugung während des Jahres

Feldränder (Streifen)

  • Faktor 1,5 (1 m² = 1,5 m² öVF)
  • Einsaattermin bis 01.04.
  • Lage: am Feldrand oder zwischen zwei Schlägen und auf Acker
  • Breite mind. 1 m, max. 20 m in Summe
  • Mindestens 1x pro Jahr mulchen, nicht zwischen dem 01.04. und dem 30.06.
  • Kein Pflanzenschutz, kein mineralischer Stickstoff- oder Wirtschaftsdünger
  • Beweidung/ Schnittnutzung: nein
  • Aussaat und Bodenbearbeitung ab 01. August möglich, die zur Ernte im Folgejahr führen
  • Keine landwirtschaftliche Erzeugung während des Jahres

Flächen mit Niederwald mit Kurzumtrieb

  • Faktor 0,3 (0,3 m² = 1 m² öVF)
  • Kein Pflanzenschutz, kein mineralischer Stickstoff oder Wirtschaftsdünger
  • Die zulässigen Arten finden Sie in DirektZahlDurchfV – Anlage 1 zu §§3 und 30 Abs. 1

Landschaftselemente

  • Die öVF müssen sich auf dem angemeldeten Ackerland befinden bzw. daran angrenzen
  • Hecken / Gehölze (je m2) Faktor 2 (1 m² = 2 m² öVF), einzelne Bäume (je Baum) Faktor 1,5 (1 Baum = 1,5 m² öVF), in Reihe stehende Bäume (je m) Faktor 2 (1 m = 2 m² öVF), Teiche (je m2) Faktor 1,5 (1 m² = 1,5 m² öVF)

Terrassen

  • Faktor 1 (1 m² = 1 m² öVF)
  • Von Menschen unter Verwendung von Hilfsmaterialien angelegte, linear vertikale Strukturen in der Agrarlandschaft, die dazu bestimmt sind, Hangneigung von Nutzflächen zu verringern.

Kombination mit Agrarumweltmaßnahmen mit öVF

  • Entscheidung: soll AUM-Fläche als öVF anerkannt sein?
  • Wenn JA, dann Abzug bei AUM-Prämie (keine Doppelförderung in Deutschland)
  • z. B. -380,00 €/ha bei Förderung Blühstreifen in Niedersachsen