Grünlandverbesserung

Systematisches Vorgehen bringt Erfolg!

Prof. Dr. Martin Elsäßer Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW), Aulendorf

Für die Grünlandverbesserung stehen mehrere Verfahren zur Verfügung, deren Einsatz an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Meist wird der Begriff recht eng verwendet, aber Grünlandverbesserung ist mehr als Übersaat, Nachsaat oder Neuansaat. Grünlandverbesserung sind definitionsgemäß alle Maßnahmen pflanzenbaulicher, chemischer oder mechanischer Art, die der Verbesserung eines Grünlandbestandes dienen. Grünlandverbesserung sind also auch die mechanische oder chemische Beseitigung unerwünschter Pflanzen, die Steigerung des Ertrages an Trockenmasse oder Inhaltsstoffen durch gezielte Nährstoffzufuhr und Veränderungen der Bewirtschaftung jeglicher Art. Unter Grünlandverbesserung im engeren Sinn werden alle Maßnahmen verstanden, bei denen gezielt Saatgut verwendet wird, um den Bestand in der Folge gezielt zu steuern (Abb. 1). Die Nach- und Neuansaatverfahren sind jeweils an bestimmte Anbaubedingungen gebunden, und sie sind keinesfalls Behelfsverfahren, deren Art, Zeitpunkt oder Methode der Durchführung beliebig ist. Im Gegensatz zur Neuansaat wird die vorhandene Grasnarbe bei der Nachsaat nur zum Teil oder überhaupt nicht chemisch behandelt und erfährt auch keine tiefe mechanische Bodenbearbeitung. An das Gelingen von Nachsaaten sind ganz bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Abb. 1: Systematik der Grünlandverbesserungsmaßnahmen im engeren Sinne

Das spricht für Nachsaat:

  • Die alte Grasnarbe wird nicht zerstört, das bedeutet raschen Narbenschluss.
  • Keine Gefahr erhöhter Nitrat- Freisetzung.
  • Die Bodenstruktur bleibt erhalten, damit bleibt die Narbe trittfest.
  • Der Futterausfall ist gering.
  • Das Ansaat-Risiko bei Kälte, Nässe oder Trockenheit ist klein.
  • Die Kosten sind niedrig.
  • Die wertvollen, standortangepassten Arten, die sogenannten Ökotypen, bleiben dem Bestand erhalten.

Das spricht gegen Nachsaat:

  • Die angesäten Gräser sind einem hohen Konkurrenzdruck der Altnarbe ausgesetzt. Deshalb kommen nur sehr kampfkräftige Arten für Nachsaat in Frage.
  • Bei dichten Narben und überwiegend konkurrenzkräftigen Gräsern, wie zum Beispiel Gemeiner Rispe, hat Nachsaat wenig Erfolgsaussichten.
  • Sollen verunkrautete Bestände verbessert werden, so sind Pflanzenschutz-Maßnahmen, wenn überhaupt, zum ersten oder zweiten Aufwuchs zu empfehlen. Die Wartezeiten bis zur Ernte sind einzuhalten. Entstehende Lücken im Bestand sind dann mit Nachsaaten zu schließen.

Generell unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Nachsaatverfahren: der Übersaat und der Nachsaat.

Über- oder Obenaufsaat
gelingt nur bei hohem Lückenanteil im Grünlandbestand, denn die angesäten Gräser müssen sich gegenüber den bestehenden Arten durchsetzen können. Die Kampfkraft der Gräser in der Jugendentwicklung ist besonders bedeutsam, weswegen sich für solche Verfahren nahezu ausschließlich Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Knaulgras (Dactylis glomerata) und schon mit deutlichen Einschränkungen Wiesenlieschgras (Phleum pratense) eignen. Kleinkörnige Samen wie bei Wiesenrispe sind nahezu ohne Chance für eine gute Entwicklung und finden daher kaum Verwendung bei Übersaaten. Ist der Lückenanteil klein, sollten neue Lücken im Voraus mit Striegeln oder flach arbeitenden Eggen geschaffen werden. Infolge des hohen Ansaatrisikos werden Übersaaten innerhalb eines Jahres und auch über mehrere Jahre hinweg wiederholt. Bei der Übersaat werden mit Düngerstreuern, Spezialgeräten („Kleegeige“ oder Schneckenkornstreuer) oder Sämaschinen (mit hochgehängten Scharen), eingemischt in Gülle oder von Hand, mehrmals pro Jahr 5-8 kg/ha Saatgut von kampfkräftigen Grasarten zusammen mit der Düngung ausgebracht. Die Übersaat verlangt zwingend ausreichende Niederschläge. Sie gelingt in der Regel um so besser, je lückiger der Bestand ist und je weniger kampfkräftige und ausläufertreibende Pflanzenarten im Altbestand vorhanden sind. Die Übersaat kann erfolgreich mit den Pflegemaßnahmen im Frühjahr kombiniert werden. Allerdings werden die Ansaaten sehr früh im Jahr von der geringen Lichtintensität und der mangelnden Tageslichtlänge negativ beeinflusst. Maulwurfs- und Wühlmaushaufen bieten beim Einebnen mit einem Striegel ausreichend Raum für einen erfolgreichen Feldaufgang.

Durchsaat
Bei der Durchsaat wird mit speziellen Sägeräten in Schlitz-, Fräsdrill- oder Bandfrässaat das Saatgut direkt in den Boden gelegt. Das hat den Vorteil des wesentlich besseren Bodenschlusses und damit natürlich auch eines in der Regel deutlich besseren Auflaufs. Die Saatmenge bei der Durchsaat beträgt 20-25 kg/ha, wobei hier durchaus auch Mischungen mit unterschiedlichen Grasarten erfolgreich verwendet werden können. Vom Prinzip her wird bei der Durchsaat nicht jährlich, sondern meist in Abständen von 3 bis 5 Jahren erneut nachgesät. Weil das Saatgut direkt in den Boden eingebracht wird, ist die Schlitzsaat bei dichterem und nur wenig verfilztem Altbestand zu empfehlen. Sehr dichte oder verfilzte Narben sind mit Schlitzsaatgeräten nicht oder nur wenig verbesserbar, denn der Samen gelangt zwar in den Boden, kann jedoch aufgrund von Lichtmangel in dichten Narben nur schlecht auflaufen. Solche verfilzten Grasnarben sollten daher wie bei Übersaaten mit einer Egge oder Striegeln vorbehandelt werden. Den Erfolg solcher Maßnahmen belegen Untersuchungen am Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) in Aulendorf (Abb. 2). Das Eggen reduzierte bei allen geprüften Varianten den Besatz an Gemeiner Rispe sehr deutlich, die Etablierung von Wiesenrispe gelang nur bei Schlitzsaat mit Vredo.

Abb. 2: Deckungsgrad verschiedener Rispengräser nach der Ansaat in %
(Poa prat = Wiesenrispe; Poa triv = Gemeine Rispe; Poa annua = Einjährige Rispe) (Elsäßer, 2009)

Soll die Durchsaat gelingen, ist es unbedingt erforderlich, dass

  • sie in einen kurzen Bestand erfolgt,
  • der Bestand mehr oder weniger lückig ist, also mindestens 20 Prozent Lücken aufweist,
  • hoher Unkraut-Besatz vorher bekämpft wird,
  • die nachfolgenden Aufwüchse frühzeitig genutzt werden,
  • eine ausreichende Grunddüngung erfolgt und Start-Stickstoff von maximal 30 kg N/ha gedüngt wird,
  • Gülledüngung im Ansaatjahr unterbleibt,
  • zwei Schröpfschnitte erfolgen. Bei unsicherer Wasserversorgung wird eine Wiederholung der Ansaat im Abstand von ein bis zwei Jahren meist unumgänglich.