Die neue Düngeverordnung

Die wichtigsten Änderungen kompakt zusammengefasst

Bereits in der vergangenen Herbstaussaat ist die neue Düngeverordnung in Kraft getreten. Der Kontrollwahnsinn reißt nicht ab, die unterschiedlichen Vorgaben der Länder verstärken hierbei das Problem für den Landwirt. Die wichtigsten Änderungen in Kürze:

Änderung der Stickstoffmengen Die Stickstoffmenge, die aus Wirtschaftsdünger pro Jahr ausgebracht werden darf, bleibt nach wie vor bei 170 kg N/ha. Allerdings müssen Gärreste, Klärschlamm und Kompost mit eingerechnet werden.
Die Derogationsregel (230 kg N/ha) auf Grünland, die eine erhöhte Stickstoffdüngung bei intensiver Nutzung erlaubt, ist aktuell ausgelaufen, soll aber bei der EU neu beantragt werden. Nach aktuellem Stand ist also die Derogation nicht möglich, auch wenn sich Fachleute einig sind, dass intensives Grünland die organische Düngegabe ohne weiteres aufnehmen kann.
Im Zuge der neuen Düngeverordnung werden neben der Stickstoffhöchstmenge auch die zulässigen Nährstoffüberschüsse herabgesetzt, was besonders in tierhaltenden Betrieben problematische Auswirkungen mit sich bringen kann.
Der Stickstoffüberschuss aus Wirtschafts- und Mineraldünger wird von 60 kg N/ha und Jahr auf 50 kg N/ha und Jahr verringert. Darüber hinaus dürfen die Länder diesen Wert bei Bedarf um weitere 10 kg auf 40 kg
N/ha und Jahr verringern. Für Phosphor wird der Überschuss ab 2018 auf 10 kg N/ha und Jahr halbiert, was vermutlich den stärksten Einschnitt darstellt. Des Weiteren darf bei Phosphatgehalten über 20 mg P2O5/100 g Boden nur noch nach Entzügen gedüngt werden, was einem Überschuss von 0 kg gleichkommt.
Verlängerte Sperrfristen Als weiterer wichtiger Aspekt sind die verlängerten Sperrfristen zu betrachten.
Nach der Hauptfruchternte ist die Stickstoffdüngung zukünftig prinzipiell bis zum 31.01. des Folgejahres nicht zulässig.

Ausgenommen hiervon ist der Anbau von Zwischenfrüchten, Feldfutter, Winterraps und Wintergerste.
Zu beachten sind die unterschiedlichen Vorgaben der Länder, welche im Einzelfall verschiedene Faktoren, wie langjährige organische Düngung, Strohabfuhr und Bodenstruktur, in ihre Berechnung mit einbeziehen.
Die Herbstdüngung der Zwischenfrüchte und Feldfuttermischungen wird im entsprechenden Kapitel genauer betrachtet. Für Grünland verlängert sich die Sperrfrist um weitere 14 Tage. Zukünftig ist eine Düngegabe im Zeitraum vom 01.11. bis 31.01. verboten. Eine Verschiebung der Sperrfrist kann länderindividuell geregelt werden. Neu ist auch die Sperrfrist für Kompost und Festmist vom 15.12. bis 15.01. des Jahres.
Aufgrund der verlängerten Sperrfristen werden die Anforderungen an die Lagerkapazität ebenfalls erhöht.
Flüssige Wirtschaftsdünger müssen hierbei mindestens 6 Monate, bei mehr als 3 GV/ha 9 Monate, gelagert werden können. Für Festmist und Kompost gilt ab 2020 eine Lagerkapazität von 2 Monaten.

 

Wichtige Änderungen auf einen Blick

Name früher heute

Sperrfristen für Gülle, Klärschlamm, Gärreste > 1,5 % TM (ausgenommen Festmiste und Komposte)

Ackerland 01.11. bis 31.01.

Ab Hauptfruchternte bis 31.01.
Ausnahme (ohne Antragstellung,
jedoch mit Nachweis):

  • zu Zwischenfrüchten, Feldfutter und Winterraps, bei Aussaat bis 15.09. (Sperrfrist ab 01.10.)
  • Wintergerste (nach Getriede), bei Aussaat bis 01.10.
    (Sperrfrist ab 01.10.)
  • max. 60 kg Gesamt-N/ha bzw. 30 kg Ammonium N/ha
Grünland, mehrjähriger 15.11. bis 31.01.

01.11. bis 31.01.

Verschiebung je nach Bundesland
um vier Wochen teilweise möglich

Festmist, Kompost

15.12. bis 15.01. für Acker- und Grünland

Stickstoffobergrenze

max. 170 kg N organischer Dünger tierischer Herkunft je ha und Jahr

  • max. 170 kg N organischer und organisch-mineralischer Düngemittel je ha und Jahr (auch Klärschlamm und Gärreste aus Biogasanlagen)
  • Die Derogationsregel (230 kg N/ha) auf Grünland ist aktuell ausgelaufen, soll aber bei der EU neu
    beantragt werden. Aktuell nicht zulässig.
  • Kompost: 510 kg N/ha/3 Jahre

Nährstoffüberschüsse

N-Durchschnitt der letzten 3 Jahre

60 kg N/ha/Jahr

Ab 2020: 50 kg N/ha/Jahr

P-Durchschnitt der letzten 6 Jahre

20 kg P/ha/Jahr

Ab 2018: 10 kg P/ha/Jahr, Ausnahme:
Flächen > 20 mg P2O5 je 100 g
Boden 0 kg P-Überschuss

Düngebedarfsermittlung auf Grünland

Die neue Düngeverordnung bringt eine Vielzahl an Vorschriften und Dokumentationspflichten mit sich. Einen wesentlichen Aspekt spielt hierbei die Stickstoffbedarfsermittlung der jeweiligen Kulturen. Auch für Grünland muss eine entsprechende Bedarfsermittlung erfolgen, die anhand des nachfolgenden Schemas vereinfacht dargestellt ist.

Prinzipiell orientiert sich der Stickstoffbedarf immer am Ertrag des jeweiligen Grünlandbestands. Hierbei lässt sich sagen, dass mit zunehmender Intensivierung sowohl Ertrag als auch Bedarf ansteigt. Die aktuelle Düngeverordnung spricht in ihren Anlagen klare Vorgaben aus, welcher Bedarf für die unterschiedlichen Beständen anzusetzen ist. Beispielsweise liegt der Bedarf von einem 3-Schnittnutzungssystem bei 190 kg N/ha und steigt bei 5-Schnittnutzungen auf
310 kg N/ha an. Somit ist intensives Grünland in der Lage, eine enorme Menge Stickstoff aufzunehmen und zu verwerten. Reglementiert wird die Düngergabe durch die maximal zulässige Höchstmenge von 170 kg Stickstoff aus organischem Ursprung.

Neben dem Stickstoffbedarf spielen weitere Faktoren, wie die Nachlieferung aus dem Bodenvorrat, eine wesentliche Rolle. Mit steigendem Anteil an organischer Substanz (Humusgehalt) sind Mindestabschläge zwischen 10 und 50 kg N/ha zu berücksichtigen:
Auf Moorstandorten kann ein Abschlag bis 80 kg N/ha fällig werden. Dieser stellt einen enormen Einschnitt in die Düngergabe und somit Leistungsfähigkeit des Grünlands dar. Auch der Anteil an Leguminosen ist bei der Düngebedarfsberechnung zu berücksichtigen. Hierbei werden Abschläge von 20 kg N/ha bei 5 bis 10 % Leguminosenertragsanteil fällig.
Bei Leguminosen-Reinkulturen entspricht der zu berücksichtigende Abschlag in etwa der Höhe des Stickstoffbedarfs der Pflanzen, wodurch eine Düngung überflüssig wird. Soll die Stickstofffixierung von Leguminosen effizient genutzt werden und die Einschränkungen der neuen Düngeverordnung möglichst gering ausfallen, empfiehlt es sich auf Leguminosen-Gras-Gemenge zu setzen.
Hierbei kann die Wahl von Mischungen mit hohem Leguminosenanteil sinnvoll sein, da diese den Stickstoffbedarf des Pflanzenbestands größtenteils abdecken können. Ein Beispiel hierfür wäre das PLATO-Luzerne-Gras-Gemenge, das mit 70 % Luzerneanteil diese Vorgabe erfüllt.

Beispielbetrieb mit 4-Schnittnutzung

Stickstoffbedarf Pflanzenbestand Anzuwendende Tabelle* Beispiel
Kultur und Nutzungssystem Tabelle 9 4-Schnittnutzung
Stickstoffbedarfswert in Stickstoffbedarfswert in kg N/ha Tabelle 9 245 kg N/ha
Ertragsniveau laut Stickstoffbedarfswert Tabelle 9 Tabelle 9
Rohproteingehalt laut Stickstoffbedarfswert Tabelle 9 17 % RP i. d. TM
Anpassung des Ertragsniveaus aufgrund des Durchschnitts der letzten 3 Jahre Tabelle 10 + 27 kg N/ha je 10 dt TM/ha Mehrertrag + 14 kg N/ha je 1 % Mehrrohprotein

Zu- und Abschläge in kg N/ha

Stickstoffnachlieferung aus der organischen Düngung der Vorjahre § 4 Absatz 2 Nummer 4 - 15 kg N/ha (10 % des Vorjahres-Gesamtstickstoffs)
Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat Tabelle 11 - 30 kg N/ha (8-15 % organische Substanz)
Stickstoffnachlieferung durch Leguminosen Tabelle 12 - 20 kg N/ha (5-10 % Leguminosen)

Stickstoffdüngebedarf in kg N/ha

180 kg N/ha

Zuschläge aufgrund nachträglich eintretender Umstände (z. B. Bestandsentwicklung) § 3 Absatz 3

* Anhang der DüngeVO Stand 2017
Quelle: DüngeVO vom 26.05.2017, Anhang Tab. 8

Auswirkung der Düngeverordnung auf Herbstdüngung

von Feldfutter & Zwischenfrüchten

Bereits vergangenen Herbst griff die neue Düngeverordnung. Reichte im Herbst letzten Jahres noch eine vereinfachte Düngebedarfsermittlung aus, so ist ab 2018 eine Düngebedarfsermittlung von jedem Landwirt durchzuführen, bevor er wesentliche Mengen an Stickstoff (> 50 kg N/ha/ Jahr) oder Phosphor (30 kg P/ha/ Jahr) ausbringt.

Im Folgenden wird genauer dargestellt, welche Änderungen sich für die Herbstdüngung ergeben, da diese am stärksten betroffen ist.
Hierbei ist zunächst einmal positiv, dass eine Düngegabe bei Feldfutter ohne Herbstnutzung und Zwischenfrüchten grundsätzlich möglich ist.
Hilfestellung zur Bedarfsermittlung soll das nachfolgende Schema liefern.

Fristen
Zu beachten ist, dass die Feldfutter- und Zwischenfruchtbestände bis zum 15.9. ausgesät werden müssen, wenn eine Düngegabe erfolgen soll.
Diese Frist weicht von der Greeningverordnung ab, nach welcher eine Aussaat bis zum 31.9. zulässig ist.
Wird der Termin eingehalten, ist eine Düngegabe bis 31.9. möglich, wenn die Vorfrucht den Düngebedarf nicht abdeckt. Hierbei kann grundsätzlich gesagt werden, dass ausschließlich Getreidevorfrüchte einen Düngebedarf gewährleisten (s. Abb.).

Düngemenge
Werden die genannten Punkte eingehalten, ist laut der aktuellen Verordnung eine Düngung bis zur Höhe des Stickstoffbedarfs zulässig. Maximal dürfen jedoch nur 60 kg Gesamt-Stickstoff pro ha bzw. 30 kg Ammonium-Stickstoff pro ha ausgebracht werden. Dies entspricht je nach Stickstoff-und Trockensubstanzgehalt der Gülle etwa 20 bis 25 m³ Rindergülle.

Art der Mischung
Als letzter Faktor spielt die Zusammensetzung der eingesetzten Feldfutter- bzw. Zwischenfruchtmischung eine entscheidende Rolle. Dies richtet sich mit Blick auf die Zusammensetzung nach dem Leguminosenanteil in der Mischung. Feldfutter- und Zwischenfruchtmischungen
mit einem Samenanteil von mehr als 50 % Leguminosen haben hierbei in Nordrhein-Westfalen keinen Düngebedarf, was eine Herbstdüngung grundsätzlich ausschließt. Neben NRW gelten die beschriebenen Werte ebenfalls für Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Niedersachen verbucht Abschläge von 30 kg N/ha bei einem Leguminosenanteil von 31-75 %. Mischungen mit über 75 % Leguminosen werden ebenfalls von der Herbstdüngung ausgeschlossen.
Hierbei muss explizit darauf hingewiesen werden, dass jedes Bundesland seine eigenen Grenzwerte hat und diese unbedingt beachtet werden müssen. Um Ihnen die Wahl möglichst leicht zu machen, sind die Leguminosenanteile auf dieser Seite bei den Zwischenfruchtmischungen
ausgewiesen.

Ab 2025 muss auf Grünland (Ackerland 2020) Wirtschaftsdünger streifenförmiger ausgebracht oder direkt eingebracht werden.
Neue Technologien, wie Schlitzverfahren, können helfen Stickstoffverluste zu minimieren.
In typischen Zwischenfruchtmischungen zu Gründüngungszwecken ist eine Wirtschaftsdüngergabe im Herbst nach wie vor erlaubt. Gewisse Bedingungen, wie Saatzeitpunkt, Stickstoffmenge und Sperrfrist, sind trotzdem zu beachten.

*1 Bei einer Vorfrucht, durch die kein Düngebedarf gegeben ist, können folgende Ausnahmen zu einem Düngebedarf führen: schwerer, toniger Boden (Gruppe 5 nach LUFA), mind. 6 jährige konservierende Bodenbearbeitung und rekultivierte Flächen.
*2 50 % Samenanteil der Leguminosen